Zurück an dem Ort, wo die Götter (vermutlich) wohnen!
Tag 7
Lærdal-Geiranger
333,4km
Insgesamt: 2759,8km
Ich öffne das Zelt, schaue raus und bin völlig überrascht. Entgegen der Wettervorhersage scheint mehrheitlich die Sonne. Und das in den Bergen. Zusammenpacken und ab durch den ersten Tunnel. Schon bald geht es steil bergauf auf den Tindevegen. Kurve um Kurve, immer steil am Abgrund, der Blick schweift über die umliegenden Berge. Etwas weiter oben dann ein Hindernis - Ziegen haben die Straße übernommen.
Der Tindevegen erlaubt erstmals einen Blick in die Ferne. Schnee- und Gletscherbedeckte Gipfel. Steinwüste. Unwirtlich, aber doch einladend. Dazwischen nur das graue Band der Straße, vereinzelte Hütten und eine Stromleitung.
Wir biegen links ab und es geht wieder talwärts. Unten dann plötzlich ein Strom voller Menschen neben der Straße, käseweiß und für Norwegen untypisch gekleidet. Ein paar Meter weiter kommt dann die Auflösung in Form zweier Kreuzfahrtschiffe. Ich fahre mit dem Gefühl weiter, dass das irgendwie nicht hierher passt. Nicht das Schiff, aber der damit einhergehende Massentourismus.
Beim Lustrafjord geht es dann steil bergauf zu dem ehemaligen Tuberkulosesanatorium. Die Straße ist wie immer ein Highlight. Manche der Gebäude wurden seit letztem Jahr von außen gestrichen, ansonsten ist aber nicht viel passiert.
Also wieder runter und wieder rauf, es geht aufs Sognefjell. Das Wetter ist hervorragend, so schön habe ich es hier oben noch nie erlebt. Und es ist besonders wenig los. Die geschwungene Straße mit Blick auf den großen Gletscher zu fahren ist schon was Besonderes.
Weiter geht es, wieder runter ins Tal. Ein Kurzbesuch bei der Stabkirche in Lom darf nicht fehlen.
Weite Baumlandschaften mit reißenden Flüssen prägen das Bild. Auf einem Rastplatz spreche ich länger mit einer älteren Dame, die mit ihrem Hund und ihrem selbstausgebauten Sprintervan eine ähnliche Tour fährt. Hoffentlich konnte ich ihr mit meinen Tipps helfen.
Letztes Jahr hatte der Gamle Strynnefjellsvegen geschlossen. Jetzt ist er aber wieder offen und ich muss noch schnell drüber, bevor es nach Geiranger geht. Absolute Mondlandschaft und ein radikaler Gegenentwurf zum Rest der bevölkerten Welt. Langsam geht es wieder tiefer, die durchlöcherte Schotterstraße weicht dem Asphalt. Bäume kommen zurück. Touristen kommen zurück.
Geiranger. Wie durch ein Wunder ist noch ein Platz auf einem Campingplatz frei. Was man gratis dazu bekommt ist das Spektakel, wenn Menschen das erste Mal versuchen ihr Zelt aufzubauen. Und die Gewissheit, dass die Touristen hier anders sind, als im Rest Norwegens. Es geht nicht mehr um die Reise, es geht um die Hotspots.