Hardangervidda.

Eine kleine Kurzgeschichte über einen Reisetraum, der dann doch anders als geplant verlaufen sollte…

Ein Winterabenteuer nimmt seinen Lauf

Stell dir vor, es ist Spätherbst. Du sitzt abends vor dem Computer, klickst dich durch YouTube und lässt dich treiben. Der Sommer liegt hinter dir, ein Sommer voller Abenteuer in Norwegen. Doch das Fernweh packt dich erneut. Unbewusst suchst du nach neuen Herausforderungen, nach etwas, das dich reizt, das dich fordert.

Vielleicht eine Rucksacktour durch die Hardangervidda oder Lappland im kommenden Sommer? Die Idee gefällt dir – zunächst. Doch je länger du darüber nachdenkst, desto klarer wird dir: Eine wochenlange Wanderung bindet viel Zeit. Mit dem Auto könntest du in der gleichen Zeit viel mehr sehen und erleben. Also verwirfst du den Plan.

Doch was wäre mit einer Tour im Winter?

Die Kälte stört dich nicht – im Gegenteil. Sobald das Thermometer über fünf Grad steigt, fängst du an zu schwitzen. Es gibt also nur eine logische Konsequenz: Du planst eine Skitour durch die Hardangervidda im Winter. Um deine Entschlossenheit zu besiegeln, bestellst du sofort eine Pulka – einen Schlitten, den du mit deiner gesamten Ausrüstung über das Eis ziehen wirst. Ab jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Ski findest du günstig gebraucht, und anfangs bist du überzeugt, mit kleinem Budget weit zu kommen – schließlich bist du ein erfahrener Outdoor-Camper und hast fast alles zu Hause. Denkst du. Doch nach und nach tauchen Hindernisse auf. Ein Benzinkocher muss her, denn Gas funktioniert bei Minustemperaturen nicht zuverlässig. Ohne Kocher? Kein heißes Essen, kein Wasser. Die Liste wächst: Jacken, Handschuhe, Skistöcke, Verpflegung, ein noch wärmerer Schlafsack. Schnell wird klar: Eine Wintertour erfordert weit mehr Ausrüstung als eine Sommerreise.

Die Hardangervidda ist kein Ort für leichtfertige Abenteuer. Im Februar können hier Temperaturen von bis zu -20°C herrschen. Schneestürme und eisige Winde verwandeln die Landschaft in eine unberechenbare Wildnis, die selbst erfahrene Abenteurer herausfordert. Roald Amundsen und Fridtjof Nansen, die großen norwegischen Polarforscher, trainierten hier für ihre Expeditionen – bis heute nutzen Extremreisende das Plateau als Vorbereitung auf größere Unternehmungen. Mit seinen 3.422 km² ist es die größte Hochebene Europas – ein wilder, unerbittlicher Ort.

Immerhin, dein leuchtend rotes Winterzelt von Hilleberg ist bereits vorhanden. Ein teures Ausrüstungsstück, das du dir nun sparen kannst – denkst du. Dass diese Entscheidung dir später noch Probleme bereiten wird, ahnst du zu diesem Zeitpunkt nicht.

Dann beginnt die heiße Phase: Der Flug wird gebucht. Zu diesem Zeitpunkt bist du noch nicht einmal auf Skiern gestanden – Schneemangel in der Heimat sei Dank.

Der Start ins Abenteuer – mit Hindernissen

Am Flughafen München angekommen, merkst du schnell, dass schon die ersten Hürden nicht lange auf sich warten lassen. Gepäckwagen kosten zwei Euro – und du hast, mit cleverer Voraussicht, extra all deine Münzen zu Hause gelassen. Also ziehst du deine Pulka über den Boden bis zum Sperrgepäckschalter.

Dann kommt der nächste Dämpfer: Die Dame hinter dem Schalter wirkt wenig motiviert. Als du erwähnst, dass du einen Benzinkocher dabei hast, der möglicherweise noch nach Benzin riecht, schüttelt sie den Kopf. „Das geht nicht!“, lautet die knappe Antwort. Du könntest den Kocher hier lassen und nach der Reise wieder abholen. Doch das ist keine Option. Ohne Kocher keine Tour.

Ihr Vorgesetzter wird hinzugezogen – freundlich, aber entschlossen. Auch er verneint zunächst. „Aber gehen wir mal zur Sicherheit…“ Gemeinsam marschiert ihr zu einer weiteren Kontrollstelle, doch auch dort nur Kopfschütteln. Schließlich wird die nächste Instanz hinzugezogen, und irgendwann dann das erlösende „Go“: Dein Gepäck wird durch eine Sonderkontrolle geschickt. Es scheint zu klappen.

Doch dann der nächste Fehler. Die Schalterdame gibt versehentlich dein Handgepäck auf – mitsamt sämtlicher Akkus für Kamera, Drohne und Co. Akkus dürfen jedoch nicht ins Aufgabegepäck. Als du sie darauf hinweist, zuckt sie nur mit den Schultern – sie hat jetzt Feierabend.

Also folgt der nächste Akt: Du musst dein Gepäck zurückholen. Durch die Sicherheitskontrolle raus, zum Gepäckband sprinten, Koffer schnappen, und dann wieder zurück durch die Kontrolle. Die Sicherheitsbeamten nehmen es mit Humor: „Ab dem dritten Mal kostet es extra.“

Endlich sitzt du im Flugzeug. Die Anspannung fällt ab. Dein Gepäck ist dabei. Es hat funktioniert.

Spätabends landet die Maschine in Oslo-Gardermoen. Draußen tobt ein Schneesturm. Alles ist weiß.

Das Abenteuer beginnt.

Aufbruch ins Unbekannte

Am nächsten Morgen geht es los. Der Bus fährt Richtung Nordwesten, hinein in die Berge. Sechs Stunden dauert die Fahrt, Zeit genug, um die Aufregung wachsen zu lassen. Draußen ziehen Stabkirchen vorbei, stille Zeugen einer jahrhundertealten Geschichte. Das Wetter? Grau in Grau. Nicht gerade das, was ich mir für meinen Start gewünscht habe.

Dann, irgendwann, reißt der Himmel ein wenig auf. In der Ferne tauchen die ersten schneebedeckten Gipfel auf – gewaltig, abweisend, lebensfeindlich. Dort oben werde ich bald sein. Mein Puls beschleunigt sich. In wenigen Minuten bin ich wieder obdachlos.

Der Bus brummt die letzte Passstraße hinauf. Und dann ist sie da: die Haukeliseter Fjellstue. Eine Handvoll Hütten, verloren in der endlosen Weite. Sie dient das ganze Jahr über als Wandererheim – mein letzter Halt vor dem langen Weg durch unbewohntes Gebiet. 120 Kilometer liegen vor mir, Richtung Norden.

Der Bus biegt links ab, ich steige aus. Mein Gepäck aus dem Laderaum. Ein kurzer Blick zurück – dann verschwindet der Bus in einer Schneewolke. Stille. Niemand hier. Ich bin allein.

Ski raus, Felle drauf, Pulka anschnallen. Ein tiefer Atemzug. Es geht los.

Die ersten Meter – und die ersten Hürden

Die ersten Schritte auf den Skiern laufen besser als gedacht – bis ich den Tiefschnee erreiche. Die Pulka kippt ständig um. Viel zu instabil. Ich muss Gewicht reduzieren. Also schnalle ich mir den Rucksack auf den Rücken und versuche es erneut. Es ist mühsam. Der Schnee ist tief, feucht, schwer. Das Wetter schlägt um, leichter Tau macht die Oberfläche klebrig. Unter größter Anstrengung ziehe ich den Schlitten ein paar hundert Meter den Hang hinauf.

Erstmal weg von hier. Bevor mich jemand in meinem Anfängerchaos beobachtet.

Gegen vier Uhr nachmittags wird es dunkel. Zeit, sich auszuruhen.

Eine erste stürmische Nacht

In der Nacht pfeift der Wind ums Zelt. Ein Sturm hat sich gebildet, die Böen rütteln an der dünnen Hülle. Gegen zwei Uhr morgens schrecke ich auf – etwas hat meinen Ellbogen berührt. Reflexartig schlage ich nach außen, mein Herz rast. Dann realisiere ich: Es war nur Schnee, der vom Zelt gerutscht ist.

Ich atme tief durch. Dann schlafe ich wieder ein.

Ein neuer Tag in der Wildnis

Der Wind weckt mich am Morgen. Mühsam öffne ich den zugefrorenen Reißverschluss des Zelteingangs, Eis knirscht unter meinen Fingern. Mein Atem dampft in der kalten Luft – die erste Nacht ist überstanden. Und überlebt.

Über mir ziehen die letzten Wolken in rasender Geschwindigkeit dahin. Dann, plötzlich, taucht hinter dem Berg die Sonne auf. Ein goldenes Licht bricht durch das Grau, taucht die Landschaft in eine fast surreale Stille. Die Anspannung der Nacht fällt langsam von mir ab. Die Stimmung hebt sich.

Ich trete aus dem Zelt. Es ist tief eingeschneit, die Leinen starr vor Eis. Meine Felle? Vom Sturm gelöst, jetzt baumeln sie lose im Wind. Ah, daher also das nervige Geräusch in der Nacht.

Ich drehe mich um – hinter mir glühen die Berge im Morgenlicht.

Eisige Realität

Es ist deutlich kälter geworden. Minus acht Grad. Während ich das steif gefrorene Zelt mühsam zusammenpacke, höre ich in regelmäßigen Abständen das tiefe Brummen eines Schneepflugs. Er kämpft gegen die unaufhörlichen Schneemassen an – ein aussichtsloses Unterfangen.

Erst jetzt wird mir richtig bewusst, wo ich eigentlich bin. Um mich herum: nichts als Eis und Schnee. Eine einzige Straße, die Fjellstue und ein paar verstreute Hütten in der Ferne. Das war’s.

Aber es hilft nichts – weiter geht’s.

Der Kampf bergauf

400 Höhenmeter liegen vor mir. Ich versuche es im Zickzack, so wie es Tourenskigeher tun. Doch die Pulka macht mir das Leben schwer. Im Tiefschnee kippt sie ständig um, auf eisigen Passagen rutscht sie einfach bergab und reißt mich mit ihren 45 Kilo fast mit nach unten.

Zwischendurch blicke ich auf die atemberaubende Landschaft – für einen Moment lasse ich mich von der Aussicht fesseln. Doch die Realität holt mich schnell zurück: Der Aufstieg ist brutal. Jeder Schritt ist anstrengend.

Und dann merke ich es. Mein Körper fühlt sich schwach an, nicht so belastbar wie sonst. Habe ich mir einen Infekt eingefangen? Noch ist er nicht richtig ausgebrochen, aber ich spüre, dass etwas nicht stimmt. Keine gute Voraussetzung für das, was noch vor mir liegt.

Der Sturm kommt zurück

In der Ferne ziehen dunkle Wolken heran – schnell, unaufhaltsam. Innerhalb weniger Minuten ist die Magie des Sonnenaufgangs verschwunden. Das warme Licht weicht einem kalten, grauen Einerlei.

Dann kommt der Wind. Erst ein leises Pfeifen, dann ein tiefes Grollen. Sekunden später prasselt der Schnee waagerecht gegen mich, peitscht über die vereiste Landschaft.

Plötzlich tauchen im Tal drei Norweger auf. Sie steigen mit beeindruckender Geschwindigkeit den Hang hinauf – kein Zickzack, keine Umwege, einfach direkt nach oben. Ich beobachte sie kurz, dann ändere ich meine Taktik. Kein Zickzack mehr. Nur noch geradeaus. Es ist härter, aber schneller. Und vor allem: Die Pulka kippt nicht mehr dauernd um.

Meine Ski gleiten durch den feinen Pulverschnee. Die Eiskristalle tanzen im Sturm, pfeifen an mir vorbei.

Am Horizont verschwinden die Norweger wieder, ich bin allein.

Zwischen Eis und Feuer

Der Wind pfeift von hinten, treibt den Schnee wie Nadeln gegen meinen Rücken. Gleichzeitig schwitze ich unter meinen Schichten, als würde ich durch eine glühende Wüste stapfen. Eis von außen, Feuer von innen.

Doch dann – endlich. Die Hochebene.

Die Sicht? Gleich null. Nichts als weißes Nichts. Ich könnte ebenso gut mit geschlossenen Augen gehen.

Ich entscheide mich, noch ein paar Kilometer weiterzumachen. Dann Schluss für heute. Hauptsache raus aus dem Wind, ins Zelt. Sachen trocknen, Kraft sammeln. Morgen geht es weiter.

Gefangen im Sturm

Der Sturm tobt die ganze Nacht und auch am nächsten Tag zeigt er keine Gnade. Vor meinem Zelt hat sich eine gut ein Meter hohe Schneeverwehung aufgetürmt. Ich verschlafe die ersten Stunden – es gibt ohnehin nichts zu tun. Wenn das Wetter kurz nachlässt, wage ich mich hinaus, nur für wenige Minuten. Die meiste Zeit aber liege ich in meinem engen Einpersonenzelt und warte darauf, dass der Sturm sich legt.

Die Sicht? Gleich null.

Stunde um Stunde vergeht. Der Tag schwindet, die Dunkelheit kehrt zurück. Draußen rüttelt der Wind an den Zeltwänden, drinnen liege ich eingeengt, unbequem. Ich kann mich nicht einmal richtig aufsetzen. Die Zweifel wachsen. Wie soll ich so noch 120 Kilometer weitermachen?

In der kleinen Kältegrube, die ich im Vorzelt gegraben habe, schmelze ich Schnee – ein mühsamer Prozess. Wasser ist Leben, doch es kostet unendlich viel Energie, es herzustellen. Sechs Liter Benzin habe ich dabei, jeder Tropfen ist kostbar. Das kochende Wasser verteile ich auf meine Thermoskannen und das gefriergetrocknete Essen. Wasser rein, Tüte zu, zehn Minuten warten.

Es fehlt Salz. Der Geschmack ist fad, der Appetit gering. Ich schaffe nicht einmal die ganze Portion.

Dann wieder zurück in den Schlafsack. Zum Glück ist er warm.

Zweifel in der Dunkelheit

Die Nacht bricht erneut herein. Meine Stimmung ist im Keller.

Stundenlanges Warten, ohne Perspektive. Jedes Mal, wenn ich mich im Schlafsack umdrehe, tropft Kondenswasser auf mich herab. Nein, so hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Mein Zelt? Bombenstabil – aber viel zu klein.

So wird das nichts.

Ein Moment der Ruhe

In der Nacht werde ich für einen Moment wach. Draußen, durch das Zelt, sehe ich, wie die letzten Wolken am Horizont verschwinden und der sternenklare Himmel über mir auftaucht. Ein seltener, beruhigender Moment. Das entschädigt für vieles, was bisher schwer gefallen ist. Doch der Sturm bleibt – und mit ihm die eisige Kälte. Die Temperatur fällt rasch auf -15° bis -20°C. Genau weiß ich es nicht, aber eines ist sicher: Es ist kalt.

Vor mir breitet sich eine große, flache Ebene aus. Ein zugefrorener See. An seinem Ufer habe ich mein Lager aufgeschlagen. In der Ferne kann ich die Umrisse von Bergen und Hügeln erkennen.

Die Entscheidung

Der folgende Tag vergeht mit Grübeln. Ich muss eine Entscheidung treffen. Abbruch.

Zwei Tage habe ich verloren, und bis zum Rückflug würde der Stress nur noch wachsen. Körperlich fühle ich mich nicht fit, das Zelt ist einfach zu klein. Meine durchgeschwitzten Klamotten lassen sich so nicht richtig trocknen, das Kochen im Sturm ist mühsam und wenig effektiv. Es gibt Momente, in denen man einfach wissen muss, wann es klüger ist, abzubrechen.

Der Beschluss steht: Ich bleibe hier oben, nutze die Zeit, um Erfahrungen zu sammeln und das Material gründlich zu testen.

Frieden in der Einsamkeit

Jetzt, da der Druck vergangen ist und ich keinen Stress mehr habe, voranzukommen, kann ich mich endlich voll auf den Moment konzentrieren. Kein Zeitdruck, keine Eile. Ich nehme mir Zeit, den Ausblick in Ruhe zu genießen, die schneebedeckte Landschaft in all ihrer Weite. Vor allem aber nehme ich mir Zeit zum Fotografieren.

Die Sonnenaufgänge sind dramatisch, die Farben genau das, was ich gesucht habe – intensiv, lebendig, in der Realität sogar noch schöner, als es Photoshop jemals hinbekommen könnte. Überall um mich herum: Stille. Kein Mensch weit und breit. Der Blick schweift 360° und findet nichts Menschliches. Nur unberührte Natur.

Die Luft ist kalt und klar, der Atem sichtbar, der Tag noch jung. Die einzige Farbe, die heraussticht, ist mein rotes Zelt. Es steht da wie ein Leuchtfeuer inmitten des Weiß, mein Zufluchtsort, der einzige Kontrast in dieser unendlichen Einsamkeit – der Unterschied zwischen Leben und Tod.

Erkundung der Gipfel

Regelmäßig schnalle ich mir die Ski an und erkunde die Gipfel in der Umgebung. Ohne die Bretter würde ich hier im Tiefschnee kaum vorankommen – jeder Schritt würde mich bis zur Hüfte im Schnee versinken lassen. Mit den Skiern hingegen gleite ich mühelos durch die unberührte Landschaft, als wäre der Schnee selbst ein Teil meiner Bewegung.

Perfekter Kälteschutz

Was wirklich hervorragend funktioniert, ist der Kälteschutz. Nie habe ich das Gefühl, ernsthaft zu frieren. Sowohl Jacke als auch Hose bieten perfekten Schutz, selbst bei stundenlangem Sitzen oder Liegen im Schnee. Gott sei Dank habe ich mich nicht für die extra-warme Kleidung entschieden, die bis -30° warmhalten soll. Ich hätte vermutlich noch mehr geschwitzt.

Eine Kopfbedeckung ist jedoch jederzeit empfehlenswert – selbst im Schlafsack. Ohne sie würde ich viel zu schnell auskühlen.

Morgenroutine im Eis

Die Morgenroutine bleibt immer gleich: Kocher anschmeißen, Schnee rein und warten. Der gesamte Prozess dauert gut 1,5 Stunden. Das Zelt ist mittlerweile so durchgefroren, dass ich die Tür nur mit reiner Gewalt öffnen kann. Da trennt sich eben die Spreu vom Weizen – das Billigzelt vom Premiumprodukt.

Die langen Schneeheringe sind inzwischen schon einen guten Meter unter den Schneeverwehungen verschwunden.

Das Bild der Reise

Auch die Drohne kommt zum Einsatz. So kann ich das persönliche Foto dieser Reise schießen – mein Zelt, das beim Sonnenaufgang vom Schatten des Nachbarberges erfasst wird. Kein Bild hätte die Reise treffender verbildlichen können.

Dass das Fliegen unter diesen extremen Bedingungen alles andere als einfach sein würde, war mir klar. Die Akkus müssen über dem Kocher aufgewärmt werden, bevor sie in der Jackentasche verschwinden, um sie warmzuhalten. Doch selbst dann sinkt die unter normalen Temperaturen maximale Flugzeit von 45 Minuten auf nur wenige Minuten.

Oft habe ich mir die Frage gestellt, ob es wirklich die Mühe wert war, die 7 Kilo schwere Fotoausrüstung mitzuschleppen. Doch wenn ich jetzt die Bilder betrachte, weiß ich genau, warum ich es getan habe. Die Erinnerung wird ewig bleiben.

Der letzte Morgen

Irgendwann kommt auch der letzte Sonnenaufgang, der letzte Spaziergang rund um mein temporäres Heim, das letzte Mal, die kalten Lederstiefel anzuziehen. Mit einem Hauch Wehmut genieße ich den letzten Tee, die letzte Packung Mac ‘n’ Cheese zum Frühstück.

Nach mehreren Tagen hat man sich an die lebensfeindlichen Bedingungen gewöhnt, ist eins mit den Elementen geworden. Die Unsicherheit ist gewichen, doch der Respekt bleibt – und ist gewachsen. Die Überzeugung, eines Tages zurückzukommen, um meinen Traum von der Hardangervidda-Durchquerung im Winter zu verwirklichen, ist stärker denn je.

Die Norweger nennen es: "Hardangervidda på langs."

(Am größten ist jedoch die Vorfreude auf eine warme Dusche.)

Dank an die Unterstützer

Auch diese Reise wäre ohne die Unterstützung von lieben Menschen wie diesen nicht möglich gewesen:

Lotti, Antonia, Stephan & Wilma, Volker, Christina & Richard, Yannick.