Overtourism.
Tag 13
Ramberg-Fornes
296,1km
Insgesamt: 4114,4km
Wirklich lange schlafen ist bei schönem Wetter nicht möglich. Sobald auch nur der erste Sonnenschein aufs Zelt erstrahlt, heizt sich der Innenraum so schnell auf, dass man zwangsläufig wach wird. Das übliche. Zelt abbauen, feststellen, dass das Auto unbedingt gereinigt und aufgeräumt werden muss, das Pfand zurückgebracht werden sollte und so weiter. Wir müssen früh weiter. Bevor die Touristen von den Fähren kommen.
Ein Schild erregt meine Aufmerksamkeit. Ich habe zwei Fehler gefunden. Das passiert regelmäßig und ich frage mich, warum oder ob man das nicht von einem Muttersprachler korrekturlesen lässt. Etwas daneben liegen Müllsäcke zu einem kleinen Berg aufgetürmt. Etwas weiter ist ein bekannter Campingplatz mit weißem Strand. Dieser ist wirklich bis auf den letzten Platz ausgebucht. Gestern um Mitternacht waren hier hunderte Leute am Strand. Romantik? Fehlanzeige.
Auch hier muss an den üblichen Stellen ein Foto gemacht werden. 2017 stand ich das erste Mal mit meinem Fahrrad hier und habe die Fische bewundert.
Ab nach Nusfjord. Die alte Fischersiedlung verlangt dieses Mal Eintritt. Die ganzen Museumseintritte gehen echt ins Geld, hat man oft mehrere am Tag. Dafür erleben wir Nusfjord quasi für uns alleine. In der alten Bäckerei gibt es einen Kaffee (der sogar nach was schmeckt) und Gebäck (das auch nach etwas schmeckt). Norwegen ist ja nicht für seine Kulinarik bekannt. Der Holzofen knistert vor sich hin. Die alten Gebäude sind haben einen Museumscharakter. Als wir wieder zum Auto gehen, stehen schon drei Großraumbusse auf dem Parkplatz - nichts wie weg.
Etwas später dann das Wikingermuseum mit dem leicht erkennbaren Langhaus. Neben Bogenschießen kann man hier allerlei selbst ausprobieren und lernt nebenbei noch allerhand über die Vorfahren der Wikinger. Es gibt auch genug Getier, dem man beim Nichtstun zusehen kann.
Die Fahrt geht weiter nach Henningsvær. Der Ort ist vermutlich jedem mit Instagram schon mal untergekommen - hier steht das berühmte Fußballfeld, dass so gerne von oben fotografiert wird. Hier sieht man dann, dass das Feld auf einer Felsinsel liegt, was es sehr besonders macht. Der Weg in die “Stadt” der Hipster ist vollgepflastert von Wohnmobilen - an den Stränden sind hunderte Leiber zu sehen. Der Stau ist vorprogrammiert. Vor mir fahren Personen mit Leihwägen, die die “Größe” ihrer Kleinwagen nicht richtig einschätzen können und so vor jeder Kurve bis zum Stillstand abbremsen müssen. Himmel Herrgott. Auf jeden Fall wird eines klar - hier herrscht ein absoluter Übertourismus, wie ich ihn hier oben noch nicht erlebt habe. Nicht schön. Natürlich ist man selbst auch ein Teil davon - aber irgendwie dann auch wieder nicht. Man verbraucht weniger Platz, versucht leise zu sein und kommt nicht in Gruppen. Hotspots versuche ich mittlerweile zu meiden.
Direkt vor der Stadt liegt ein alter Bekannter, die Yacht von vorgestern. Der Eigentümer ist ein Multimilliardär und ehemaliger CEO einer recht bekannten Suchmaschine im Internet. Und ja, es ist einer derjenigen, die Dir vorschreiben wollen, dass Du weniger fliegen sollst und selbst in der Kritik steht einen CO2 Fußabdruck zu haben, der für hunderte “Normal”bürger reichen würde… Es soll sich jeder sein eigenes Bild machen.
Weiter Richtung Norden - Svolvær. Einkaufen. Plötzlich kommt uns Polizeiauto Nr. 3 vorbei - auf der ganzen Reise. Scheint ein sehr sicheres Land zu sein.
Später verlassen wir, Gott sei Dank, einen viel zu teuren Campingplatz, der einer Baustelle gleicht. Man steht quasi auf Schotter, der Zeltplatz ist ein Acker und viel zu klein. Nach einer weiteren Stunde Fahrt durchs Niemandsland mit wenig Touristen kommt ein anderer Platz, der günstiger, schöner und ruhiger gelegen ist. Mit Aussicht und einem kleinen Privatsee. Das Wasser ist warm, keine Menschen und in einem Talkessel gelegen. Das Echo der eigenen Stimme ist klar zu hören. Mittlerweile sind die Vesterålen erreicht. Die Walsafari habe ich abgesagt - der nächste freie Termin ist erst in 10 Tagen.