Auf Sonne folgt Sturm.

Tag 14

Fornes-Andenes

95,8km

Insgesamt: 4210,2km

 

Wieder weckt einen der Treibhauseffekt. Wieder Sonnenschein, wenn auch mit Vorboten eines Wetterumschwungs. Heute wird es eine kurze Etappe. Es geht ans Nordende der Vesterålen. In Bleik besuchen wir eine kleine Bäckerei, die selbst aus der Ferne, so verlockend nach Zimtschnecken duftet, dass man sie kaum auslassen kann. Es gibt Waffeln mit Brunost, dem norwegischen Braunkäse und Marmelade. Einfach wunderbar.

Bukkekjerka. Einer der bekannteren Aussichtspunkte. Von den Toiletten aus hat man einen Blick aufs Meer. Das große Fenster kann man per Knopfdruck vernebeln - man muss ja nicht alles sehen. Der Ausblick auf dem Hügel um die Ecke ist aber authentischer und riecht auch besser.

Im Sonnenschein bauen wir das Zelt auf. Vor uns ein weißer Sandstrand mit türkisblauem Wasser. Natürlich muss gebadet werden denke ich mir. Ich ziehe mir die Badehose an und pünktlich fängt es an zu stürmen. Egal, jetzt erst recht!

Mittlerweile stürmt es kräftig, das Zelt kann zeigen, was es kann. Der Sand prasselt gegen die dünne Zeltwand. Endlich ist es zurück, das authentische Wetter meines Lieblingslandes. Sonne ist schön, aber hier oben darf es schon ein bißchen winden.

Heute ist es endlich soweit. Nach sieben Jahren werde ich endlich die kleinen, lustigen Papageivögel sehen. Eine Bootstour zum örtlichen Vogelfelsen ist gebucht. Die Überraschung ist groß, als ich meinen ersten sehe.

Nach kurzer und schaukeliger Fahrt erreichen wir den Vogelfelsen, zu dem an jedem Tag zur selben Uhrzeit im selben Jahr die Papageitaucher erscheinen um zu brüten. Der Himmel ist voll, ja beinahe schwarz von den kleinen Rackern, die gar nicht mal so elegant fliegen, wie sie tauchen können. Bis zu neunzig (!) Meter tief übrigens.

Aber auch Seeadler kreisen über der Insel. Zu einem Zeitpunkt kann ich vier davon auf einmal in der Luft sehen. Ein Seeadler frisst zwei Puffins pro Tag. Der Schwund dürfte bei dieser Menge an Tieren aber wohl kaum auffallen. Nur der Partner des gefressenen Tieres, die ein Leben lang zusammenbleiben, dürfte traurig sein.

Auch auf dem Wasser schwimmen tausende, vermutlich zehntausende der witzigen Wesen.

Auf dem schwankenden Schiff bin ich bemüht, die Kamera möglichst ruhig zu halten, um ein bisschen zu filmen. Die Realität sieht aber dann doch so aus, dass die kleinen Biester nur per Foto gut zu erwischen sind. Alles andere würde beim Zuseher eine Seekrankheit auslösen.

Nach über einer Stunde fahren wir wieder zurück nach Bleik. Hinter uns der Vogelfelsen, in der Ferne der Leuchtturm von Andenes, wohin wir zurück müssen. Dazwischen ein glückliches Ich, das einen weiteren Haken hinter etwas bis dato noch nicht Gesehens setzen kann.

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Senja. Immer wieder Senja.

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Overtourism.