Die rote Sonne von Ramberg
Tag 12
Kilboghavn-Ramberg
253km
Insgesamt: 3818,3km
Aufstehen. Es geht auf die Fähre und über den Polarkreis. Der Campingplatz ist unfassbar voll, ich war hier schon vier mal und habe das noch nicht erlebt. Auf die Fähre müssen wir dann geschmeidige 2h warten. Das Auto geparkt, die Treppen hoch aufs Oberdeck, einen Sitzplatz achtern gesichert und los geht’s. Die metallene Weltkugel erscheint nach nur wenigen Minuten auf der steuerbordseite.
Der Polarkreis ist überschritten. Etwas weiter und um eine Landzunge herum eröffnet sich der Blick auf einen weiteren Fjord. Am Ende erkennt man klar das ewige Eis der Gletscher auf den Bergen. Im Meer immer wieder große Lachsfarmen, die an ihren runden Netzen und dem Versorgungsschiff zu erkennen sind,
Wir verlassen das Schiff. Nach einiger Zeit kommt der berühmte Svartisengletscher. Svartisen steht für Schwarzeis. Er ist mit rund 370 Quadratkilometern der zweitgrößte Gletscher Norwegens. Am Fuße des Gletschers liegt die Deutschland vor Anker, das Traumschiff, das ich letztes Jahr in Oslo gesehen habe.
Eine private Expeditionsyacht erweckt mein Interesse. Der Hubschrauber wäre gleich mit an Bord. Im Hintergrund erkennt man den Gletscher.
Da Sonntag ist, haben die Geschäfte geschlossen. Ein Gartencenter macht sich nicht mal die Mühe, die zum Verkauf stehenden Gegenstände abzusperren oder zu verräumen. Bei uns hätten die Gegenstände wohl schon einen neuen Besitzer gefunden…
25°. Das fühlt sich im unklimatisierten Jimny aber eher wie 30° plus an. Neben der Straße ein Sandstrand. Mehr oder wieder freiwillig geht die gesamte Besatzung des Jimnys ins frische Wasser. Der Strand ist überfüllt mit Menschen.
Saltstraumen. Zu viel los, es geht direkt weiter.
Bodø. Ein Blick ins nationale Luftfahrzeugmuseum Norwegens lohnt immer. Dann geht es schon zur Fähre nach Moskenes, Lofoten. Auf dem Weg steht ein Bagger, auf dessen Baggerschaufel die Bauarbeiter “God Sommer“ gesprayt haben. Meine Güte, so viel Freundlichkeit ist fast schon unangenehm - aber sie tut wirklich gut!
Um 18:45 verlässt dann die Fähre ihren Kai.
Irgendwann gegen zehn Uhr abends kommen wir langsam an. Die zackigen Berge kündigen sich indes schon sehr früh an.
Reine. Die untergehende Sonne strahlt das kleine Städtchen von der Seite an. So schön habe ich es noch nie gesehen. Auf dem Reinebringen, DEM Berg in der Gegend (wo Sherpas die Stiegen in den Fels gebaut haben), stehen die Leute dicht an dicht. Durch mein Objektiv kann ich sie genau erkennen. Sicher immer noch ein tolles Erlebnis - für meinen Geschmack aber einfach zu viele Menschen.
Es ist wirklich die Hölle los und wer hier schon mal war, weiß, was das bedeutet. Überall stehen Camper, die Inselgruppe ist hoffnungslos zugeparkt. Romantik? Fehlanzeige. Aber: Die Sonne versinkt erst um 23:57 langsam im Meer, will gar nicht untergehen. Nach einigen Pleiten, Pech und Pannen in der Handhabung alltäglicher Gebrauchsobjekte wie Duschgels, Kocher und weiterer Dinge stellen wir das Zelt direkt neben der Straße in einer Bucht auf - die Campingplätze sind alle voll.
Das Licht hingegen ist unfassbar weich und schön. Perfekt zum Fotografieren und Filmen.