Flugviech 2.0
Tag 11
Bjornvika-Kilboghavn
258,3km
Insgesamt: 3565,3km
Weiter gehts. Das Wetter? Perfekt. Pünktlich zum 400km langen Helgelandskystveien, der dem Namen entsprechend direkt an der Westküste Norwegens entlang verläuft, reißt der Himmel komplett auf. Sonne. Das tut schon auch manchmal gut.
Erstes Ziel des Tages? Der Torghatten. Ein Berg mit einem Loch. Auf dem Weg dorthin übt die Besatzung eines großen Kriegsschiffs am Ufer, im Hintergrund besagter Berg. Nach etwa 50km Fahrt erreichen wir den Parkplatz, der sich im Vergleich zu vor zwei Jahren deutlich gewandelt hat. War er damals noch eine Ansammlung von Schotter und Schlagloch, ist er jetzt perfekt geteert mit einem Toilettenhäuschen aus Holz und kleinem Museum. Die investieren, denke ich mir. Es geht bergauf. Zu meiner Überraschung wurde der Trampelpfad über Stock und Stein durch eine breite Stiege ersetzt - wie eim Reinebringen auf den Lofoton von eingeflogenen Sherpas erbaut. Ich stelle mir die Frage, ob das wirklich sinnvoll ist, vertrete ich doch eher die Seite, dass nur die Leute in die “Berge” gehen sollten, die es auch körperlich können. Jetzt schiebt sich dann doch der ein oder andere Schweinsbraten zu viel quälend und schwitzend die Anhöhe rauf. Aber ich mag auch falsch liegen mit meiner Ansicht und die Natur sollte zum großen Disneyland werden. Damals war auf jeden Fall weniger los - der Ausblick durch das große Loch auf die vielen kleinen Inseln bleibt aber spektakulär. Oben ohne und im BH hat Hochkonjunktur.
Irgendwann gehen wir zurück zum Auto und fahren weiter Richtung Norden. Angekommen an der nächsten Fähre wird sowohl Google, als auch die Fährapp, als auch der Aushang gecheckt - noch fast zwei Stunden bis zur Abfahrt. Also können wir gemütlich Burger braten. Davor erwecken erneut aufgeschreckte Möwen mein Interesse. Und siehe da - ein Adler, der sich gemütlich auf einen Baum neben der Fähre niederlässt. Offenbar sind wir die Einzigen, die das Federvieh bemerkt haben und so habe ich dieses Mal genug Zeit zum Fotografieren. Als ich noch näher ran will, haut der Adler ab. Genug ist genug. Aber er ist im Kasten. Check.
Natürlich stimmt der vorhin benannte Aushang - NICHT - und die Fähre kommt dann an, als die Patties fröhlich vor sich hinbrutzeln. Alarmstart. Pfanne, Grill und den Rest gepackt, ab ins Auto, Motor an und schon geht es los. An Bord dann die freudige Erkenntnis, dass das Fleisch schon durch ist und immerhin konsumiert werden kann. Ein bisschen sauer bin ich trotzdem - man wird doch wohl einen ordentlichen Fahrplan veröffentlichen können - das war jetzt schon das zweite Mal.
Weiter geht die wilde Fahrt. Plötzlich habe ich einen Rettungswagen hinter mir, der ordentlich Gas gibt. Ohne Blaulicht oder Martinshorn - aber zügig. Irgendwann lasse ich ihn vorbei - der Jimny ist ja kein Rennwagen. Nur wenige Minuten später nach einem Tunnel - Stau. Eine freundliche Dame vom norwegischen Verkehrswesen sagt uns, dass da vorne ein Unfall war und es in 10-20 Minuten weitergehen wird. Ich sehe es schon - da liegt ein Motorrad. Die Koffer hinten noch dran, vorne aber ordentlich beschädigt. Na hoffentlich geht es dem Kollegen gut. Es kann so schnell vorbei sein, das weiß ich nach meiner Nordkapptour 2022 auch. Also immer vorsichtig fahren!
Die Straße meandert zwischen Bergen und Meer kurvig dahin. Für nur wenige Meter nach Norden muss man zum Teil 40-50km die Fjorde ausfahren. Schön ist es allemal. Ein Besuch beim alten Fort muss sein. Zwischen Bunkern und Stellungen genießt man einen herrlichen Ausblick auf das darunter liegende Meer.
Im unter mir liegenden Kommandobunker genießt eine Spinne den Ausblick (und vermutlich die Abendsonne).
Überall findet man noch Relikte aus dem Weltkrieg, wie hier ein Rad mit (vergammelten) Holzspeichen einer französischen Beutekanone aus dem 1. WK.
Der Campingplatz wird wie immer der gleiche sein. Schön und direkt am Wasser gelegen, ist hier aber im Vergleich dann doch deutlich mehr los als sonst. Im Restaurant gibt es dann einmal Fish & Chips und die norwegischen Krabben und Shrimps mit Majonaise und zwei Bier - für 70€. Aber es schmeckt hervorragend. Was solls.
Das Auto stinkt mittlerweile ganz schön, obwohl die Wäsche schon komplett durchgewaschen wurde. Gehört dazu, ist man erstmal ein paar Minuten im Auto, merkt man es nicht mehr.
Die Fähre, die uns morgen über den Polarkreis bringen wird, fährt im Abendlicht bei uns vorbei. Die Sonne geht hier um halb 12 unter und um 3 Uhr wieder auf. Es wird nicht mehr dunkel.