Der wahre Norden.

Tag 19

Nordkapp-Gamvik

478,8km

Insgesamt: 5961,3km

 

Ja, es war schon eine tolle Stimmung in der Früh. Um zwei, als dann langsam weniger Busse gefahren sind.

Wind? Fehlanzeige. Viel zu schönes Wetter für hier oben, aber man darf sich nicht beschweren. Es kann auch so viel Nebel geben, dass man die Weltkugel erst auf den letzten fünf Metern erkennt. Dieser gottverlassene Felsen. Im Hintergrund rechts das eigentliche Nordkapp, das aber acht Kilometer Fußweg bedarf. Jetzt bin ich das fünfte Mal hier. Der Jimny das zweite Mal. Schon verrückt, wie alles 2017 (oder schon früher) mit einem Traum begonnen hat.

Langsam geht es zurück nach Honningsvag. Es ist wieder mal Sonntag, deswegen haben die Geschäfte geschlossen. Ab zur Tankstelle, hier oben sollte man regelmäßig nachfüllen, man weiß nie, was kommt. An der Tanke treffe ich Hubert. Hubert bezeichnet sich selbst als Deutschen, der seit 1963 in Oberschlesien lebt. Seine strahlend blauen Augen stechen heraus. Er ist unzufrieden mit der Welt, hat Mitleid mit den jungen Deutschen. Da ich sowieso mal das alte Deutschland sehen wollte, frage ich einfach geradeaus drauf los, wie ich ihn erreichen kann. Er gibt mir seine Adresse und ich denke, dass ich ihn mal besuchen werde.

Weiter geht es Richtung Osten. Die Straßen werden merkbar schlechter. Dafür bleiben die flauschigsten Hindernisse, die man sich wünschen kann.

Es beginnt eine unfassbare Weite. Entfernte Berge, dazwischen das Eismeer. Hinterlassenschaften von Königskrabben.

Kurz hinter der Stadt Lakselv gibt es ein altes Deutsches Feldlazarett, dass die Verwundeten der Kämpfe aus dem Osten, vor allem um Murmansk, pflegte. Zuerst geht es über eine schmale Hängebrücke auf über einen Fluss nach drüben.

Dort findet man noch allerlei. Neben den Grundmauern stehen vor allem Betten, ein paar LKW, Fässer und viel mehr einfach im Wald. Mittlerweile ist sprichwörtlich Gras über die Sache gewachsen. Allerdings wird man begleitet von Millionen Mücken, die einem das Blut aussaugen wollen. Anfangs lache ich noch, aber es wird so schlimm, dass man wirklich nicht mehr filmen kann. Schnell ein paar Fotos gemacht und immer in Bewegung bleiben.

Die Stimmung ist gruselig.

Irgendwann flüchten wir zurück ins Auto und fahren weiter. Neben uns plötzlich ein junger Elch.

Links abbiegen in eine Stichstraße. Ab jetzt geht es gut 100km Richtung Norden nach Mehamn. Vorbei und durch absolute Mondlandschaften. Ein Gewitter nach dem anderen jagt uns. Platzregen.

Eieiei. Irgendwann dann Nebel. Endlich ist es da, das norwegische Wetter. Es wird kalt.

Mehamn.

Zurück
Zurück

Allerlei Getier.

Weiter
Weiter

Totaler Horror. Aber auch schön!