Ein Anblick für Götter

Tag 8 (gestern)

430km

Insgesamt: 2633,1km

Was soll man dazu sagen. Der Tag beginnt bei perfektem Wetter und ich fahre in Richtung eines bekannten Irrenhauses hoch über einem Fjord gelegen. Die Anfahrt gestaltet sich als herausfordernd. Steil geht es bergauf über eine winzige alte Schotterstraße, die die besten Tage bereits gesehen hat. Aber der Lost Place ist es definitiv wert. Zwar fehlt es an schlechtem Wetter für den „Moody Look“, ich bin aber froh unverletzt oben angekommen zu sein. Ein Fehler und der Sturz über die Böschung tut im geringsten Fall nur weh. Aber die Reifen greifen gut und so baue ich schnell vertrauen in die Maschine auf.

Wieder unten angekommen führt mich mein Weg weiter auf den Tindevegen. Ähnlich abenteuerlich, dafür aber geteert, führt er steil bergauf - Kehren fahren kann ich jetzt. Oben angekommen schweift der Blick über schneebedeckte Berge der Straße entlang. Darf ich das grade wirklich erleben? Westlich von Jotunheimen eröffnen sich mir Bilder, die ich gar nicht greifen kann. Man kehrt in sich, wird noch ruhiger als sonst. Demut kommt auf.

Es geht zurück ins Tal Richtung Nigardsbreen, einem Gletscher, den man bequem zu Fuß erreichen kann. Mir reicht ein Blick vom Parkplatz aus. Zurück geht es auf einer hervorragenden Straße bei bestem

Wetter. Von hinten schließt eine GS auf mich auf und ich habe keine Lust mich überholen zu lassen. Was dann folgt kann ich nur als geil beschreiben. Kilometer später spricht mich der Fahrer, den ich zufällig wieder treffe, auf meine sportliche Fahrweise an. Dass ich den Lappen erst vier Wochen habe glaubt er mir nicht. Auch er fährt ans Nordkap - jetzt oder nie, bevor er zu alt wird. Respekt.

Auf dem Weg über Lom und die dortige Stabkirche fahre ich weiter Richtung Geiranger. Kurz davor biege ich auf den Gamle Strynefjellsvegen ab, den ich schon letztes Jahr gefahren bin. Im Gegensatz zu damals erfahre ich ihn bei bestem Wetter und hervorragender Schotterpiste ohne Schlaglöcher. Fast schon langweilig. Im See schwimmen kleine Eisschollen. Jetzt aber schnell nach Geiranger denke ich mir, sonst sind alle Campingplätze voll. Natürlich waren um 20 Uhr dann auch alle belegt. Also zurück den Berg rauf - ich kenne da noch eine Stelle vom letzten Jahr. Die alte aufgelassene Straße ist nur mit off-road fähigen Krads zu befahren und schon weitestgehend verfallen. Ich denke mir, einen Versuch ist es wert. Der Weg gestaltet sich als machbar und ich stelle mein Zelt in der Kehre mit Blick auf den Fjord auf. Besser kann man es kaum treffen.

Nachdem ich mir mein Festmahl (bestehend aus Bohnen, Spagetti und Tabasco zubereitet und verschlungen habe, schlafe ich umgehend ein.

Dieser Tag wird schwer zu übertreffen.

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Das war‘s erstmal mit dem schönen Wetter.

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Auf Chaos folgt Perfektion