Das Wort Fallen bekommt eine ganz neue Bedeutung.
Tag 14
197,4km
Insgesamt: 4471,3km
Der Blick auf die Wetterapp sagt, Zelt abbauen - jetzt! Kurze Zeit kein Regen. Ich packe im Turbomodus zusammen, das nächste Regennest ist aber schneller. Wieder ein nasses Zelt, fluche ich innerlich vor mich hin.
Die Fahrt geht weiter Richtung Norden. Das Wetter bessert sich, Wind kommt auf. Ja sogar die Sonne kommt durch. Dieses Mal fahre ich nicht am Wikingermuseum mit dem beeindruckenden Langhaus vorbei. Dort wo bärtige Männer Eisen schmieden und die Frauen traditionelles Kunsthandwerk anfertigen ist kein Platz für vermeintliche Diskriminierungsdiskussionen. Das Museum ist wirklich sehenswert, als es sich gegen Mittag mit Horden an Menschen, die sinnlos in der Gegend rumstehen, füllt, flüchte ich wieder. Am Ausgang stelle ich meine Kamera auf einen Mülleimer um etwas wegzuschmeißen. Anstatt die Kamera wieder aufzunehmen, werfe ich sie gekonnt einen Meter zu Boden. Nicht schon wieder. Habe ich das Objektiv doch gerade erst für über 300€ reparieren lassen, weil es mir aus 15cm runtergefallen ist. Wie durch ein Wunder ist aber nur die Sonnenblende beschädigt. Kamera und Objektiv sind wohlauf. Verrückt.
Es geht weiter zu einem recht bekannten Geisterhaus mit eindrucksvollem Graffiti auf den Lofoten. Am Ende der Hausführung, wo man in all dem Unrat doch noch einige persönliche Gegenstände sehen kann, beschließe ich noch ein Foto mit dem Motorrad und dem Haus gemeinsam zu machen. Also rauf mit dem Kübel, Foto machen und was rauf geht, geht auch wieder runter. Langsam fahre ich den nassen Pfad nach unten - und merke, wie plötzlich mein Heck einfach wegrutscht und mich überholt. Einfach weggerutscht. Mist. Während ich fliege, behirne ich nochmal die Situation mit den offroadfähigen Straßenreifen. Mehr off-road bedeutet weniger haltbar, bedeutet weniger Grip auf der Straße. Deswegen habe ich mich für einen Straßenreifen entschieden, der auch etwas Profil hat. Zu wenig für nasses Gras. Sanft lande ich im hohen Gras. Bitte lass das niemanden gesehen haben. Ich wuchte die 300kg schwere Maschine wieder auf und rutsche selbst ab - die Maschine wieder hinterher. Wie ein auf den Rücken gefallener Käfer liege ich im hohen Gras. Bein rausziehen und nochmal mit aller Kraft aufstellen - die Pumpe läuft auf Hochtouren. Steht. Schnell weiter.
Nur 15 Minuten nachher finde ich eine geeignete Stelle zum Angeln. Ich halte auf einer steinigen Schotterebene an, setze den Fuß auf und - greife ins Nichts. Unter mir das Loch einer ausgewaschenen Pfütze, ich habe nicht aufgepasst, verliere das Gleichgewicht, kann das Gewicht nicht mehr halten und während die Maschine in Zeitlupe zur Seite umfällt, sage ich nur noch „Nicht schon wieder!“. Himmel Herrgott - das Geräusch wenn Metall und Alu auf Steine treffen ist nicht schön. Jetzt liegt sie abermals vor mir wie ein gestrandeter Wal und das auch noch an einem abschüssigen Teil. Ich versuche sie aufzuheben - ohne Erfolg. Also Koffer und Tasche runter. Gelingt mir immer noch nicht. Ab nach hinten und die Maschine auf den Sturzbügeln um 180° am Boden drehen. Knirsch. Dieses Geräusch. Mit dem Gefälle klappt es dann wunderbar. Sie steht. Wenigstens sieht die Twin jetzt nicht mehr aus wie gerade aus dem Schauraum gelaufen. Die Sturzbügel haben aber alles abgefangen. Und natürlich der rechte hintere Koffer, aber das passt schon so. „Off-road, Baby!“. Für heute reicht‘s mir aber. Ab in die nächste Stadt - wir machen Pause. Dreimal das Ding aufheben reicht mir für den Anfang. Ich finde einen interessanten Bunker an einer Steilküste und beschließe bei Sonnenschein nochmal mein Glück mit dem Angeln.
Rute zusammenbauen (ja, ich habe extra eine mitgenommen) Köder angebracht und auswerfen. Schon beim dritten Wurf beißt was an. Ich hole ein, was großes kann’s nicht sein. Da schau her, eine mittelgroße Makrele. Ich ziehe sie über die Steilklippe nach oben - da kommt eine Welle und ich sehe die kostbare Beute - fallen. Mist. Jetzt hüpft die mir auch noch vom Haken. Die restlichen Versuche bleiben ergebnislos und so beschließe ich ob der herannahenden Regenfront meinen Schlafplatz zu finden. Was für ein Tag. Aber auch ein viermaliges Fallen können mir die Laune nicht verderben. Ein gewisser Schwund gehört zu diesen Reisen dazu und das sollte man mit einplanen.