Hipsterland.
Tag 13
245,8km
Insgesamt: 4273,9km
Das Wetter ist nasskalt. Der auffrischende Wind kommt mir aber zugute und trocknet mein Zelt innerhalb von Minuten weitestgehend ab.
Die letzten Kilometer des Küstenweges in Angriff nehmen. Ich nehme gleich die erste Fähre in der Früh, die auch noch ziemlich leer ist. Trotzdem muss ich das Motorrad fest verzurren - ungewöhnlich - vor allem, da die See extrem ruhig ist. Daran ändert sich auch nichts mehr. Zwanzig Minuten Fahrt und ich überquere zum dritten Mal den Polarkreis mit dem Globus als Wahrzeichen.
Die kommende Fahrt gestaltet sich teils feucht, bei gleichbleibend fast schon hohen Temperaturen um die 18-20 Grad. Wenige Kilometer vor Bodø kommt der Saltstraumen mit seiner imposanten Brücke. Dieser, der stärkste Gezeitenstrom der Welt, zeigt sich heute eher von der ruhigen Sorte - die Gezeiten scheinen wohl im Ausgleich gewesen zu sein.
Auf der Straße fallen die vielen LKW mit ihren massiven Bullenfängern an der Schnauze auf. Braucht man hier oben, mit wäre letztes Jahr selbst fast ein Rentier in selbstmörderischer Mission vors Auto gelaufen. Auch sieht man im Vergleich zum Bobo-Süden kaum noch Elektroautos.
Rein nach Bodø und direkt ans Fährkai, ich kenne ja bereits alles hier. Zufällig erwische ich die Fähre nach Moskenes pünktlich auf die Minute, bin aber erst irritiert. Normalerweise steht hier ein doch sehr ansehnliches modernes Schiff. Vor mir aber steht ein kleiner alter rostiger Seelenverkäufer, der die besten Tage bereits gesehen hat. Die Decksleute winken mich bereits herbei, ich frage zur Sicherheit aber nochmal nach, wohin die Reise geht. Es stimmt aber alles und ich verzurre die Maschine abermals. Auf der Fahrt unterhalte ich mich angeregt mit einem Türken, der per Anhalter mit seiner Freundin ein bisschen rumfährt. Wieder mal denke ich mir wie gut es ist, nicht den Mund zu halten und kommunikativ zu sein. Und wie wichtig es ist Fremdsprachen zu sprechen, auch wenn es in meinem Fall eher nur Englisch ist, das dafür dann aber auch recht passabel.
Angekommen auf den Lofoten - die Welt versinkt im nebeligen Starkregen. Dazu dann immer wieder Wind. Schade, wollte ich hier doch einige Tage verbringen und wandern. Bei dem Wetter wird sich das wohl eher kurz gestalten. Auffällig sind die vielen Lofoten-Insta-Hipster, die mit ihren perfekt zum Wetter passenden Birkenstocklatschen und schwarzen Trainingsanzügen etwas gequält und sich ständig liebkosend aus ihren Vans steigen. Die findet man hier an jeder Ecke und auf jeden Berg. Das Motto: Hauptsache gut aussehen und in fast schon gefährlicher Art und Weise auf die Berge kraxeln - alles für das eine Bild (das auch Millionen andere pro Woche hochladen).
Ebenso auffällig sind die vielen unterschiedlichen Warntafeln für Tiere. Es gibt die Schafe, die Elche, die Rentiere, die vor Wasserbüffeln (zumindest sieht das so aus) und noch allerlei andere. Vermutlich verhalten sich die Tiere unterschiedlich. Wer weiß. Im Norden gibt es sogar Tafeln, die vor Schneemobilen warnen.