Die dicke Kuh und ich

Tag 2&3

1608km

Insgesamt: 1945,8km

Der Tag in Nürnberg beginnt mit der Gewissheit, dass es weh tun wird. Zum einen die Hitze, die körperlichen Verspannungen und die Gewissheit, dass Kilometerschrubben auf der Autobahn mit 120 nicht zu den Erfüllungen auf einem Motorrad gehört. Das Ziel ist Flensburg. Knapp 800 Kilometer Backofen, Baustellen und Staus. Zumindest letzteres bietet ein bisschen Abwechslung. Leute beobachten hat schon was Feines. Da gibt es die Handynutzer, die Dich in jeder Lebenslage gefährden. Da gibt es die, die praktisch an ihrem Lenkrad kleben - auch gefährlich. Da gibt es die Chilligen in ihren Vans. Die Gemütlichen in ihren LKW. Die Freundlichen, die Mitdenkenden, die Aufgeregten und die Aggressiven. Mitten durch den Stau vorbeischlängeln? Spare ich mir mit der dicken Kuh. So geht es im Stop and Go vorwärts. 200km vor meinem Ziel beschließe ich schon mal die Fähre für den nächsten Tag nach Norwegen zu reservieren. Das dachte ich zumindest. Was ich eigentlich getan habe war die Fähre noch am selben Tag zu buchen. Zeitfenster nicht vorhanden, 600km noch zu fahren. Ich fluche vor mich hin, gebe der Sache aber einen Versuch. Neues Ziel Hirtshals, Dänemark. Ich fahre in dem Wissen, dass ab jetzt keine wirkliche Pause außerhalb der Tankstops drin sein werden - und selbst die sind kurz zu halten. Was soll schon schiefgehen.

Immerhin lerne ich das Schnellfahren mit Koffern. In Dänemark fahren die meisten 10-20km überm Limit. Gelegentliche Pendelbewegungen des Motorrads bei 150 mahnen zur langsameren Fahrweise an. Der Wind, der einen gut und gerne 1m versetzen kann, tut sein übriges. Fassen wir es zusammen - die Fahrt war nicht das gelbe vom Ei. Wie durch ein Wunder erreiche ich das große neue Fährterminal, das vor fünf Jahren noch im Bau war, aber rechtzeitig.

War es damals mit dem Rad schon beeindruckend in den Bauch dieses Riesen einzufahren, war ich jetzt mit dem schweren Teil deutlich aufgeregter. Wie rutschig ist der Belag, wie einfach komme ich in die Motorradkoje rein, wie funktioniert das mit dem Verzurren? Ich manövriere die mit Fahrer knapp 400kg dann aber doch problemlos an ihren Platz. Neben mir eine Goldwing mit Anhänger und Rückwärtsgang - man kann es auch bequemer als ich haben.

Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich mehr als 1100km abgespult. Rauf aufs Deck und versuchen zu schlafen. Ein paar Minuten gelingt es mir auch bevor das Schiff schon wieder in den Hafen von Kristiansand einläuft. Das bedeutet runter und raus.

Bestes Wetter in Kristiansand. Die Sonne geht in einer Stunde auf. Ich fahre zur örtlichen Festungsanlage, wo ich versuche zu schlafen. Leider bin ich zu aufgekratzt und beschließe ein wenig spazieren zu gehen.

Das neue Ziel ist der Lysefjord. Auf der Fahrt dorthin verschlechtert sich das Wetter aber so dramatisch, dass ich den Plan über den Haufen werfe und direkt nach Bergen zu Freunden fahre. Bei einer Tankstelle lege ich meine Isomatte neben das Krad und komme zu ein paar Minuten Schlaf. Die schweren Maschinen des örtlichen Hells Angels Chapters reissen mich dann wieder aus meinen Träumen. Weiter gehts. Die Kombi ist wasserdicht, Griffheizung wäre trotz der dicken Handschuhe gut gewesen.

Im Starkregen komme ich letztendlich nach über 1600km in eineinhalb Tagen völlig fertig in Bergen an. Ich wollte ein Abenteurer, ich bekomme es. Ab jetzt ein bisschen ruhiger dann.

Zurück
Zurück

Durch eine Stadt flanieren

Weiter
Weiter

Ich habe ein Suchtproblem