Ich habe ein Suchtproblem

Tag 0,5

337,8 km

4:17 Dauer

Gut - es war klar. Es ist Sommer und ich musste wieder rauf. Rauf in meine beinahe zweite Heimat.

Um ehrlich zu sein, der Abschied von daheim fällt mir leicht, auch wenn ich Freunde und Familie vermissen werde. Zu viel Gaga momentan in der Republik. Es war klar, dass es irgendwann wieder auf zwei Räder gehen musste. Der Plan stand schon länger. Fahrrad fällt aus gesundheitlichen Gründen flach - es muss also ein Krad sein. Kurzerhand melde ich mich im März zum Führerschein an. Je älter man wird, desto weniger oft erlebt oder erlernt man noch was Neues. Dennoch seltsam mit den ganzen Teenies die Schulbank zu drücken. Die Theoretische bestehe ich fehlerlos.

Die praktische Ausbildung verläuft ein bisschen nach dem Motto „Friss oder stirb“ - das ist aber in Ordnung so. Den Führerschein mit dem jugendlichen Konterfei muss ich abgeben. Irgendwann muss man dem Verwesungsprozess eben ins Gesicht blicken.

Ein Motorrad ganz im Norden gekauft, noch nie auf so einem großen Bock gesessen, geschweige denn damit gefahren. Das kann ja nur peinlich werden. Aber hey, für „geniale“ Ideen bin ich schließlich immer zu haben, was soll schon schiefgehen. Funktioniert aber doch ganz gut. Es ist wie immer der Kopf, der Dir Limits setzt. Zufälligerweise kaufe ich das Teil genau an dem Tag, an dem ich vor sieben Jahren meine erste Radreisende quer durch die Republik gestartet habe. Zufälle gibts. Die erste längere Fahrt zurück ganz in den Süden läuft dann bis auf die Müdigkeit aber ganz gut. Daheim dann noch ein paar Dinge anschrauben, ein paar Kabel verlegen, grobstollige Reifen drauf und der Familie von meinem Plan erzählen - die Begeisterung war natürlich groß. Abhalten lassen würde ich mich aber nicht mehr, das wissen alle. Dennoch fragen mich viele, ob das denn schon so gescheit wäre. YOLO.

Nur wenige Tage später fahre ich wieder nordwärts, mit Zwischenstopp in Erlangen. Auf Social Media jammern die Leute über die Hitze währenddessen sie Bilder aus dem Freibad posten. Wie es sich anfühlt mit einer Motorradkombi für schlechtes Wetter bei 35° über die Autobahn zu cruisen - nun ja, Garstufe: Well done. Ich habe aber schon so eine Vorahnung, dass sich die Kombi noch als überaus sinnvoll erweisen wird.

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Die dicke Kuh und ich