Der Wind, der Wind, das himmlische Kind!
Tag 21
388km
Insgesamt: 7119,8km
Es geht noch einmal eine Stichstrasse Richtung Norden. Es wird mein letzter Nasjonale Turistveg - eine der 18 Landschaftsrouten in Norwegen. Das Wetter klart entgegen der Vorhersage auf und ich erlebe strahlenden Sonnenschein. Alles perfekt, aber wie immer gibt es einen Haken. Es ist Sturm. So habe ich zwei Stunden lang richtig zu tun, um die Mühle mit Müh und Not auf der Straße zu halten. Der spärliche Gegenverkehr ist besonders gefährlich, da man mit voller Kraft gegen den Wind andrückt und plötzlich im kurzen Windschatten ins Leere drückt und übersteuert. Die Böen versetzen einen schnell mal ein bis zwei Meter. Anstrengend. Ich sehe keinen anderen Motorradfahrer. Dafür erblicke ich russisches Festland. Wow.
Es geht nach Vardø, der östlichsten Gemeinde Norwegens. Die Stadt liegt östlicher als Istanbul, St. Petersburg oder Kairo. Die Kuppeln der NATO-Radargeräte grüßen einen schon von weitem. Ich wurde gewarnt: Der Ami ist grad besonders aktiv - es geht um Spione und natürlich um den Schutz der VSA. Geostrategie. Aufregend. Tatsächlich bekommt dieses Fleckchen Erde im derzeitigen Konflikt eine tragende Rolle. Immer wieder höre ich in der Gegend Kampfflugzeuge. Ansonsten ein kleines Städtchen mit bunten Häusern. Auf dem Meer dahinter Schaumkronen, so sehr pfeift der Wind. Ich fahre weiter Richtung Norden nach Hamingberg, einem kleinem verlassenen Fischerdorf. Fühlt sich wirklich wie das Ende der Welt an. Die Straße dorthin ist kaum breiter als ein Auto und umringt von scharfkantigen Steinen. Sehr besonders. Der Rückweg gestaltet sich, wie soll es anders sein, äußerst nass.