Langweilig.
Tag 25
630km
Insgesamt: 9689,9km
Gerade als ich mein Zelt zusammenpacken will fängt es an zu schütten. Na klar. Die Abfahrt wird sich etwas verzögern.
Richtung Südwesten. In die Berge. Ich kann „Schweden“ nicht mehr sehen. Seit drei Tagen ununterbrochen Wald. Keine Aussicht. Nicht so mein Fall um ehrlich zu sein. Aber langsam wird es interessant. Es wird Landwirtschaft betrieben und dadurch sieht man die schönen schwedischen Häuser, ein paar Rindsviecher und überhaupt etwas Landschaft. Später kann ich Berge sehen. Mit Schnee drauf. Endlich Abwechslung. Die asphaltierte Straße hört mal wieder auf und ich fahre auf den höchsten Pass Schwedens. Wie zuhause darf man sich das freilich nicht vorstellen. Es ist eben eine Straße übers Fjell. Bedeutet keine Bäume mehr und viel Wind. Genannt wird sie Flatruetvägen und ist ganze 975m hoch. Am Plateau warten dann Rentiere und Camper auf einen. Der Blick ist dennoch hervorragend.
Ich schaue auf meine Karte: Nur noch 300km bis zu einem optionalen Ziel in Norwegen. Da ich von der Monotonie hier eh genervt bin, fahre ich einfach weiter Richtung Westen. Und was soll ich sagen? Ich bereue nichts. Abermals überquere ich die Grenze zu Norwegen und befinde mich in einer der schönsten Landschaften, die man sich vorstellen kann. Berge. Fjells. Flüsse. Aussichten. Dazu kommen viele Erinnerungen an vergangene Reisen. Ich fahre durch den Rondane Nationalpark, durch den ich vor fünf Jahren schon mit dem Rad in entgegengesetzter Richtung bin. Wahnsinn. Für jeden eine Empfehlung wert. Der Anstieg, den ich mit dem Rad gemeistert habe, ist brutal und ich frage mich wie ich das damals geschafft habe.
Am Abend, ich befinde mich jetzt in der Nähe von Otta, fahre ich noch auf den 1617m hohen Blåhøe mit seinem bekannten Funkmast obendrauf. Kurz vorher hat es geregnet und so habe ich eine aufregende Fahrt über die steile Schotterstraße nach oben. Die Reifen haben kaum noch Grip und drehen das ein oder andere Mal durch. Letzten Endes schaffe ich es aber nach oben und genieße vollkommen alleine einen der besten Ausblicke, den ich jemals hatte. Die Abfahrt wird spannend, aber ich meistere sie ohne Sturz.
Was mittlerweile wirklich anstrengend ist, kündigt ein Blick auf die Koffer und die Front des Motorrads an: Mücken. Mein Körper ist übersät von Mückenstichen.