Der Süden
Tag 4
Kurz vor Oslo – Lindesnes
Tag: 351,6km
Insgesamt: 2325,6km
Die Nacht war mit 11° durchaus frisch – ich muss mich erst wieder daran gewöhnen.
Von Moss nach Horten über den Oslofjord nehme ich die erste Fähre von vielen die noch folgen werden. Das Wetter ist stürmisch nass. Der Großteil der heutigen Fahrt verläuft über Schnellstraßen mit maximal 110km/h und gestaltet sich als überaus langweilig. Regen folgt auf Sonne und der Kreislauf wiederholt sich andauernd. Die spannendste Hirnakrobatik entfällt auf die Entscheidung ab wann es zu stark regnet, um noch offen zu fahren.
Bald aber fahre ich ab und eine der schönsten Straßen, die ich jemals befahren durfte liegt vor mir. Links das Meer, die Regenwolken sind verschwunden und der Sonne gewichen. Kurven über Kurven. Rauf und runter. An sich perfekt, wenn da nicht das Tempolimit von sagenhaften 80, meist aber nur 60 oder gar 40 km/h wäre. Das Gefühl die G-Kräfte zu spüren, stellt sich auch aufgrund des Verkehrs nur selten ein. Von der kleinen alten Straße sieht man immer wieder eine riesige Baustelle, die so in Deutschland wohl nicht mehr möglich wäre. Berge im Weg? Egal – machen wir weg. Brücken überspannen bald Fjorde, wo man jetzt noch ewig drum rumfahren muss. Die neue Schnellstraße wird spektakulär. Fortschritt? Für die Norweger, die zur Arbeit müssen, gewiss. Für uns Touristen? Auf keinen Fall. Lieber auf den kleinen Alten bleiben.
Tagesziel ist der südlichste Leuchtturm in Lindesnes. Um diesen herum sind Bunkeranlagen der Heeresküstenbatterie Lindesnes aus dem Zweiten Weltkrieg. Obwohl auf den Straßen noch wenig ausländischer Tourismus zu sehen ist, sammelt er sich doch am Leuchtturm. Daher entscheide ich dann doch eher auf eine Halbinsel mit dem besten Blick auf den Leuchtturm zu wandern und siehe da – ich bin allein. Traumhaftes Wetter, aber ziemlich stürmisch. Eine Infotafel schreibt, dass die Wellen bei Sturm 25 Meter Höhe erreichen können und schon Leute mitgerissen worden sind, die am Fuße des Leuchtturms standen. Kaum vorzustellen, wo der Turm doch so erhaben über der niedrigen See thront…