Manchmal weiß man einfach nicht wohin man schauen und wie man sich fühlen soll.
Tag 20
290km
3597km
Lærdal - Geiranger
Ja. Es ist wahr. Mit einem Zweisitzercabrio nach Norwegen zu fahren ist ziemlich ungewöhnlich. Heute habe ich das mehrere Male gespürt. In den verwunderten Blicken der Wohnmobilfahrer und Vanlifer. Manche halte extra an um sich bei mir zu erkundigen. Gut - bei 5° Grad fahren bei uns daheim auch nur die Harten oben ohne rum. Auf 1400 Meter in der Mondlandschaft in Norwegen auf geschotterter Straße eigentlich niemand. So sitze ich mit drei Jacken, Mütze und Kapuze bewaffnet am Steuer und versuche flink mit 20 km/h den riesigen Schlaglöchern auszuweichen. Das Auto sieht aus wie der ein oder andere Offroader der mir entgegenkommt. Used Look halt. Bin ja kein Schönwetterfahrer. Das bisschen Regen hält mich nicht ab. Der Wind macht das Filmen dann schon schwerer. Im Auto ist es angenehmer. Insgesamt bin ich 9h unterwegs. Die meiste Zeit davon in Fahrt. Für 290km. Drei Pässe. Hunderte Haarnadelkurven. Kaum Verkehr und diejenigen, die langsamer sind, machen Platz. Die meisten jedenfalls. Autofahrerhimmel. Mehr kann ich dazu nicht mehr sagen. Kurve über Kurve. Schalten, bremsen, lenken, Gas geben - das Heck kommt mit einem eleganten Schwung wie von selbst rum. Dann der Ausblick. Mondlandschaft wechselt sich mit Kanada ab. Himmelblaue Flüsse, Bäume, Wälder mit dem Nichts das die Gletscher übrig gelassen haben. Steile Pässe, Wasserfälle… und ganz wenig Verkehr. Einzig und allein an den Sehenswürdigkeiten bleiben Autos stehen und Menschen stürmen heraus um ihren Schnappschuss zu machen. Gleich darauf verschwinden sie auch wieder ohne ein einziges Mal die Aussicht genossen zu haben. Dazwischen laufen sie mir gerne vor die Linse und benehmen sich sie die Axt im Walde. Traurig. Aber mei.
Das heute war was Besonderes. Die Kurve meines Lebens eben.