Du bist verloren, wenn Du der Wetterapp vertraust!

Tag 21

Geiranger - Trollstigen - Atlanterhavsvegen - Kristiansund

399,9km

3996,9km


Die Nacht am Fuße des Geirangerfjord war mit Regen nass und bei 8° kalt. Das Zelt wird nicht mehr trocken - ab in den Kofferraum. Wenigstens das Innenzelt konnte ich separat und trocken einpacken. Die ersten Meter geht es gleich wieder steil bergauf. Der Überblick über den Geiranger kann ich fast alleine genießen. In der Tiefe sehe ich die großen Festmacherbojen. Irgendwie passen die großen Kreuzfahrtschiffe hier nicht rein, stelle ich mir vor, auch wenn grad gar keine rumschwimmen. Weiter geht es im Regen. Auf zum Trollstigen. Vorher noch am Gudbrandsjuvet vorbei. Eine Klamm, die ca 25 Meter unter Getöse von Tonnen von Wasser spektakulär abfällt. Ein Bus spuckt ein halbes Altersheim aus. Nichts wie weiter. Leider fahre ich den Trollstigen von der falschen Seite an. Die Serpentinen gibts für mich heute nur bergab. Macht aber auch nichts - fahrerisch sind sie eher langweilig. Spektakulär hingegen ist der Blick von oben. Ich wage mich im Nieselregen auf die Platform, die etliche hundert meter über dem Abgrund thront. Wolken ziehen herum und mir nichts dir nichts ist alles im weißen Schleier eingehüllt. Weiter gehts bergab, den gigantischen Wasserfall Stigfossen, der 320 Meter in die Tiefe fällt, immer im Blick. Ein paar Meter weiter durchzieh ein Band aus kleinen weißen Punkten einen Berg in der Ferne. Als ich näher komme stelle ich fest, dass es sich um dutzende Schafe handelt, die in Reih und Glied auf der Suche nach einer neuen Futterquelle sind.

Ich beschließe nach Alesund zu fahren. Hab ich doch die Stadt im Jugendstil nur in positivster Erinnerung. Die Wetterapp sagt kaum Regen hervor und sogar Sonnenschein. Dort angekommen bietet sich mir ein anderes Bild - es schüttet wie aus Eimern. Ich fahre auf den Stadtberg wo ich 2018 auf einem Bunker gezeltet habe und erhasche einen kurzen Blick auf das darunter liegende Juwel. Das hat so keinen Sinn, denke ich mir und fahre die 100km wieder retour um dann Richtung Kristiansund und dem Atlanterhavsvegen abzubiegen. Mei oh mei. Kristiansund wird auf der App abermals mit Sonnenschein angepriesen. Die Atlantikstraße kann ich endlich auch offen befahren. Der Regen hat stark nachgelassen. Man kennt ja die Bilder der großen Brücken (!) übers Meer. Dort angekommen tritt eine gewisse Ernüchterung ein. Im Endeffekt handelt es sich nur um ein große Brücke. Nun gut - extra deswegen herfahren muss man jetzt nicht unbedingt. Aber da ich schon mal da bin spaziere ich noch um die kleine Insel vor der Brücke, die liebevoll mit einem Gehweg umrundet wurde. Die Fahrt nach Kristiansund ist eher unspektakulär und endet - wie sollte es denn sonst sein - unterhalb schwarzer Wolken, die sich über mich ergießen. So soll ich mein eh schon naßes Zelt aufstellen? Na geh bitte. Tatsächlich erreiche ich mein Ziel dann aber wie durch ein Wunder im Trockenen. Erstmal versuchen das Zelt zu trocknen und auf besseres Wetter hoffen. Immerhin werde ich ab jetzt in der Nähe des Nordmeeres bleiben - die Regenverhangenen Fjorde und Täler wirken sich nicht unbedingt positiv auf das Gemüt aus…

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Geschichte zum Anfassen.

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Manchmal weiß man einfach nicht wohin man schauen und wie man sich fühlen soll.