Geschichte zum Anfassen.

Tag 22&23

Kristiansund - Trondheim - Vik

764,1km

4761km

Schon seltsam. Der Campingplatz, den ich wegen des schlechten Wetters kurzfristig angesteuert habe, entpuppt sich als kleines Juwel. Im Internet zwar schlecht bewertet, empfinde ich ihn als sehr angenehm - zumal ich auch der einzige Gast bin. Mit elf Euro ist er auch unglaublich preiswert.

Am nächsten Tag fahre ich vor mich hin, das Wetter ist eher regnerisch. Trondheim. Endlich wieder in der Stadt, die ich nach 700km zu Fuß im Jahr 2018 ansteuern durfte. Sonnenschein. Ich besuche den von allen Pilgern sehnsüchtig herbeigesehnten Pilgerstein mit der Zahl 0 drauf. 0 für „du hast es geschafft!“. Danach versuche ich noch ein weiteres Tshirt als Andenken an die Pilgerreise im örtlichen Pilgerzentrum zu kaufen. Größe M haben sie nicht. „L?“. Ebenfalls aus. Wer’s glaubt - immer diese Aushilfen, denke ich mir. Auf jeden Fall war es ein toller Besuch. Mir läuft es eiskalt den Rücken herunter, als ich an meine eigene Ankunft zurückdenke.

Ich fahre weiter Richtung Norden. Viel zu spät komme ich drauf, dass ich eigentlich die Fähre Richtung Westen hätte nehmen sollen um zum Austratt Fort zu kommen. Hilft nichts - das Geschütz des Schlachtschiffs Gneisenau möchte ich unbedingt sehen. Ich fahre über die Halbinsel, die mir schon mit dem Fahrrad 80km ohne irgendetwas hängen geblieben ist. Kein Geschäft - gar nichts. Egal. Da stehen keine Blitzer - also bissal Gas geben geht schon. Am Fort angekommen gehört es mir ganz alleine. Was für ein Ding. Kaum vorstellbar, wie das Schiff dazu ausgesehen haben muss. Die Führung ins Innere der Anlage am nächsten Morgen findet leider nicht statt. 15.08. - Saisonschluss. Leider brauche ich ein paar Minuten um das zu kapieren. Sinnverstehendes Lesen hilft manchmal arg weiter. Hilft nicht - ich muss wohl nochmal herkommen. Auf den nächsten Kilometern kommen mir an den unscheinlichsten Orten die Erinnerungen hoch. Hier habe ich gestanden, hier ein Foto gemacht, hier war ich einkaufen. Verrückt. Irgendwie merkwürdig, teilweise traurig. Es kommt mir so vor, als wäre die Reise meines Lebens erst ein paar Tage her und nicht vier Jahre. Es geht weiter, immer an der Küste entlang. Ein Traum. Der Himmel reißt auf, ich fahre den ganzen Tag offen. Auf einer Straße setzt sich plötzlich ein Elektrowagen voll mit der örtlichen Dorfjugend neben mich und will ein Rennen fahren. Ich lache und lasse sie ziehen - ich bin zwar der langsamere, habe aber eindeutig mehr Freude am Fahren.

Am Abend darf ich meinen diesjährig ersten Elch sehen, der neben der Straße davonläuft.

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Polarkreis.

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