Der Geisterbus
Tag 3 - 20km
Insgesamt: 80km
Gestern geht es dann zurück in die Stadt Leknes. Kleinere, etwas morbide und angegammelte bunte Holzhäuschen - ein bisschen Redneck-Look. Die Autos sind wieder mehrheitlich Verbrenner und bleiben während des Tankens auch gern einfach mal an. Auch vor den Supermärkten stehen laufende Autos, in denen niemand sitzt. Jetzt könnte man meinen, dass es unerträglich heiß ist und die Klima wie im Nahen Osten durchlaufen muss. Fehlanzeige - das offene Fenster symbolisiert einen gewissen Hauch der Freiheit. Greta wäre verzückt. Diebstahl hier oben? Eher unwahrscheinlich. Nicht nur deswegen würde auch Frau Bundeskanzler Merkel diesen Teil der Welt hassen. Norwegische Flaggen, wohin das Auge reicht. Aber hier kann sie nicht einfach die Flagge von der Bühne werfen, wie einen naßen Fetzen in den Eimer. Identität ist halt was Wunderbares. Wenn man sie haben darf.
Das Wetter ist heiß und ich beschließe den Bus Richtung Svolvær zu nehmen. So warte ich 2,5h (die Busse fahren hier nicht so oft) auf den nächsten, der aber nie kommt. Etwas verärgert, habe ich doch per App schon 130 NOK für das Ticket bezahlt. Der nächste Bus kommt erst 3h später - das bedeutet nochmal warten und dann ein neues Ticket kaufen, da das alte abläuft.
So bleibt etwas Zeit für Romantik an der örtlichen Tankstelle. Ein Eis (und die sind hier wahrlich besser als bei uns zuhause) und der ein oder andere Blick auf Autos, die so tief sind, dass der TÜV nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und Dich vom Hof jagen würde. In der BRD ist eben vieles verwerflich oder gefährlich, was sonst auf der Welt blendend und ohne Aufsehen zu erregen funktioniert.
Und wieder merke ich, wie schön die Gespräche mit den Einheimischen, aber auch mit den Landsleuten von daheim sind, die ich treffe. Es geht um andere Dinge. Es geht um Erfahrungen, Freiheit und Abenteuer. Es geht um persönliche Erlebnisse. Etwas neidisch blicke ich auf die Radfahrer, die ans Nordkapp fahren. Ja, man spricht auch über Corona. Nachdem es hier (außer in Flugzeugen) keine Maskenpflicht gibt, fühlt es sich aber ganz normal an. Der notwendige Abstand wird dennoch eingehalten - ganz ohne Zwang oder Panik. Angenehm und schade, dass wir diese Denke nicht mehr beherrschen, zu Extremen jeder Art neigen und kein Mittelmaß mehr finden können.
Der Bus kommt dann schließlich, ich fühle mich ordentlich durchgegart und stelle auf der Fahrt drei Dinge fest. Erstens: Die Lofoten und deren Leute sind wunderbar. Zweitens: Den Weg zu Fuß zu gehen bedeutet, ständig den Autos ausweichen zu müssen. Drittens: Beim Busfahren wird mir immer noch schlecht.