Wüstenfuchs
Tag 3
36,9km
Insgesamt: 84,9km
Der Tag beginnt etwas früher. Um 9 fange ich nach einem Kaffee an zu marschieren. Die geschlossene Wolkendecke reißt leider viel zu schnell wieder auf und die Sonne macht sich schon mal warm für Mittag.
Die ersten Kilometer wechseln sich zwischen Asphalt, Schotter und wirklich schönen Waldpassagen ab. Die Temperatur dort ist angenehm. Ab der Hälfte der Etappe knallt die Sonne aber unbarmherzig von oben herab. Temperaturen von 29-32 Grad sind mein ständiger Begleiter. Wenn ich Glück habe geht ein bisschen der Wind. Grüne Wiesen finde ich nur noch im Schatten von Bäumen. Die Flüsse sind ausgetrocknet. Nein, so habe ich das nicht in Erinnerung. Eine Dame sagt mir, dass diese Gegend eine Dürre diesen Ausmaßes das letzte mal vor fünfzig Jahren erlebt hat.
Mittags steuere ich mal wieder einen Friedhof an um meine Wasservorräte aufzustocken. Ich werfe den schweren Rucksack ab und lege mich neben Gräbern in den Schatten einer Birke. Unerlässlich kommt der Gedanke an die eigene Vergänglichkeit in diesen ruhigen Momenten hoch.
Nach ein paar Minuten sattle ich wieder auf und weiter gehts. Schon 17 Kilometer auf der Uhr, der Ausflug zur Kirche hat 2 zusätzliche gekostet. Aber das Wasser war wichtiger.
Wenig später kommt mir der süßliche Geruch von Himbeeren in die Nase. Ich stoppe, kehre um und bediene mich an ein paar etwas klein geratenen wilden Beeren. Aber immerhin, der Geschmack ist da. Die Freude auch.
Die nächste Rast mache ich an der einzigen Stelle mit Schatten: einer Tankstelle. Plötzlich fährt ein Mercedes GL vor und der Fahrer fragt mich nach einem Messer. Ich gebe ihm meines und er schneidet großflächig die Karkasse von seinem linken Vorderreifen runter, gibt mir dankend das Messer zurück und fährt seelenruhig weiter. Sachen gibt es.
Die restlichen Kilometer verlaufen wie in Trance. Man denkt nichts, man fühlt nichts, außer man bleibt stehen, ja selbst das Hörbuch wollte ich nicht mehr hören. Nur noch ankommen. Die letzten 8km harte Straße. Es gibt schöneres. Den Blick für die Umgebung habe ich verloren.
Und endlich: nach einer Kurve liegt Risebru (wörtlich: Zweigbrücke), ein Bauernhof aus dem 16. Jahrhundert. Die Brücke ist mittlerweile aus Stein und wird nicht mehr benutzt. Der Hof dient seit eh und je Reisenden als Unterkunft. Auch ich schlage hier mein Zelt auf und versuche mich ab jetzt nicht mehr zu bewegen!