Freundlich, auch zu schweren Jungenz!
Tag 4
21,1km
Insgesamt: 106km
Eine Kuh- und Schafherde weckt mich in aller Herrgottsfrüh auf. In Ruhe packe ich mein Zelt zusammen, schlüpfe in meine Stiefel und gehe los. Die Sonne scheint. Mittlerweile befinde ich mich nördlich des Osloer Flughafens Gardermoen.
Nachdem ich mir in einem Supermarkt mein Frühstück besorgt habe, ein typisch Norwegisches Süssgebäck in doppelter Ausführung, kommt die Verkäuferin raus und schenkt mir einen Kaffee. Weil ich so schwer beladen bin und so. Unglaublich nett.
Der Weg geht zum Teil mitten durch bepflanzte Felder. In Deutschland undenkbar - in Norwegen auf Grund des historischen Weges und des Jedermannsrechts ganz normal. Das Gefühl von Freiheit setzt teilweise ein. Apropos Freiheit: ich passiere ein neu gebautes Gefängnis. Dieses ist etwas anders als wir es bei uns kennen. Mitten in der schönen Landschaft. Große, normale Fenster in den Zellen mit Aussicht ins Grüne und auf Vorbeilaufende wie mich - ohne Gitterstäbe davor. Keine 10 Meter trennen Insassen von Wanderern. Zwar hohe Zäune rundherum, aber kein Stacheldraht. Schon klar, dass sowas für Verbrecher als Paradies gilt. Der Bestrafungscharakter ist reduziert auf den Freiheitsentzug. Schon irgendwie seltsam.
Mit der Zeit wird die Anflughöhe der Flugzeuge immer höher, daran sieht man, dass man Stück für Stück voran kommt.
Eidsvoll. Die Stadt, wo 1814 die Norwegische Verfassung verabschiedet wurde. Dort bekommen Pilger nicht nur einen Stempel, sondern auch einen kostenlosen Kaffee. Nummer zwei an diesem Tag.
Der Tag endet wieder im Zelt an einer wunderschönen Herberge, die ich komplett für mich alleine habe. Morgen geht es für zwei Tage in die Wälder ohne Einkaufsmöglichkeit. Daher ist mein Rucksack wegen der zusätzlichen Verpflegung etwas schwerer und voller. Ich freue mich auf die Ruhe und vor allem wenig Sonne!