Ich und mein Holz!
Tag 5
21,1km
Insgesamt: 127,1km
Nach einer kurzen und unruhigen Nacht geht es gegen halb neun wieder weiter. Eine kleine großgewordene Blase vermiest mir die ersten Kilometer, bis sie sich etwas beruhigt oder ich mich an den Schmerz gewöhnt habe. Der Himmel ist bedeckt. Endlich.
Endlich geht es auch von den Zivilisationsstraßen weg in den Wald. So laufe ich den ganzen Tag entweder auf Forstwegen, Trampelpfaden oder einfach querfeldein über Stock und Stein. Das Gelände ist zwar schön, aber auch sehr anstrengend zu gehen. Demnach komme ich nicht so schnell voran, wie ich wollte. Der Wasserspiegel der Seen an denen ich vorbeilaufe ist um gute ein bis eineinhalb Meter niedriger als normal. Die Zuflüsse, die auf meinen Karten markiert sind und als Wasserversorgung herhalten sollten, sind alle versiegt. Wunderbar.
Zwischenzeitlich lädt ein Badeplatz ins kühle Nass ein, was ich natürlich sofort ausnutze. Die einzigen Säugetiere, die ich über eine lange Zeit sehe sind vier Schafe.
Nachtlager habe ich neben einer Pilgerherberge in einer alten Schule aufgeschlagen. Diese wird von einer Deutschen Auswandererfamilie betrieben und hat definitiv einen besonderen Charme. Vor allem: Endlich Wasser.
Nach dem heutigen Tag kann ich Leute, die zB den PCT gelaufen sind, verstehen, wenn sie keine Bäume mehr sehen können. Am Abend erscheint noch ein Italiener an der Herberge, der heute 40km gelaufen ist. Auch er hatte kein Wasser mehr und musste mehr laufen als geplant. Er ist die andere Art von Pilger. Kein Zelt, keine Kochsachen, leichtes Gepäck und Trail Running Schuhe. Nicht so ein Schlachtschiff wie ich - da macht man natürlich mehr Strecke. Im Gelände und als Schwerbepackter möchte ich meine knöchelhohen Stiefel dennoch nicht missen!