Hügel, Wind und Sonne!

Tag 9

118,16km - 8:08:03h - insgesamt: 928,21km

Sonnenuntergang 22:22

Sonnenaufgang 4:27


Die erste Nacht, in der es mich nicht gefroren hat! Früh geht es in Richtung Trondheim los. Die ersten Kilometer am Morgen nach so einer Tour fallen nie leicht. Ich durchfahre das zweite mal auf dieser Reise eine Ortschaft namens Heimdal, angelehnt an Heimdall dem Wächter der Götter aus der nordischen Mythologie. Nach 20km erreiche ich die Stadt. Ampeln schalten nach anfordern des Grünsignals augenblicklich um. Toll. Ein paar alte Gebäude, viel Neues, Ausgeflipptes. Dennoch sympathisch. Ich nehme die Schnellfähre um 11:30 hinter dem Zentralbahnhof über den Fjord. In nur 25 Minuten überquere ich die spiegelglatte See.

Auf der anderen Seite angekommen erstmal bei der Tanke Frühstück organisieren. Ein Baguette muss es tun. Auffällig ist, dass vor fast jedem Haus ein Fahnenmast mit der Norwegischen Flagge steht - bei uns wäre das vermutlich schon wieder irgendwie gefährlich oder böse. So geht's halt auch. Es riecht nach Algen und Meer. Rechter Hand der Fjord, kaum eine Welle. Windnester sind klar an der gekräuselten See zu erkennen. Der Strand ist mit groben Steinen belegt auf denen Möwen sitzen. Kein Müll, glasklares Wasser. Manchmal denkt man, die Straße führt direkt ins Wasser, bis in letzter Sekunde eine Kurve auftaucht.

Roller sind hier ATVs. Nach 30km dann die erste Siedlung. Nichts hat offen - Søndag und so. Der Ort besticht dennoch durch sein gepflegtes Erscheinungsbild. Prächtige Rosen säumen die Straße. Also ab zum Friedhof, Wasser fassen. 2,5l sind immer mit dabei.

Weiter. Die Sonne steht immer im Rücken. Gut für das Solarpanel auf dem Gepäckträger, mit dem ich den Akku lade. Es geht bergauf. Meine Arme glänzen. Bin ich froh, dass ich bei den großen Anstiegen der letzten Tage schlechtes Wetter hatte, denke ich mir. Ein Baum spendet Schatten und kühlt. Ich erreiche mehrere Hochseen mit abertausenden Seerosen. Schafe haben mehr Angst vor mir, als vor den Autos und blockieren so einen entgegenkommenden Transporter, der hupend versucht die Wollspender zu vertreiben. Vergebens, die spähen alle zu mir rüber. Erst als ich vorbei bin, geben sie den Weg für den Verkehr wieder frei.

Nach jeder, wirklich jeder Kurve kommt ein erneuter Anstieg. Wahrlich keine Etappe um Kilometer zu fressen. Km 80: ich mache meine Dosenbohnen auf. Zu der Steigung gesellt sich auch noch Gegenwind: ich bin sauer, gereizt und fluche. Bei Km 90 dann endlich wieder der Fjord und eine kleine Siedlung. Bevor ich eine spektakuläre Brücke überquere, lege ich mich kurz auf eine Parkbank. Aus Erschöpfung schlafe ich sofort ein und wache 35 Minuten später wieder auf. Natürlich geht das auf und ab aber noch weiter. Meine Beine streiken mittlerweile und laufen nur noch auf Notlaufprogramm. Weiter, immer weiter! Nach 60 Km dann die erste Tankstelle mit Shop, die erste Möglichkeit der Verpflegung. Ich esse ein Eis, eine Pizza und ein Baguette. Die Laune hebt sich, die Beine bleiben tot.

Da ich gefragt wurde, wie ich das mit dem Essen so mache, hier die Antwort: Frühstück, Mittagessen wird unterwegs besorgt, Abendessen koche ich mit einem kleinen Spirituskocher. Ich versuche immer etwas für Notfälle dabei zu haben, falls die Kraft ausgeht. Natürlich eher wenig, denn jedes zusätzliche Gewicht rächt sich sofort!

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Ob's stürmt oder...

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Supergeil, läuft und der zählt jetzt aber!