Ob's stürmt oder...

Tag 10

106,84km - ca 6h - Insgesamt: 1035,05km

Sonnenuntergang 22:24

Sonnenaufgang 4:17

So fahrradfreundlich das Land sonst auch ist, oftmals fehlen Fahrradwege und wenn welche vorhanden sind, enden diese oft überraschend im Nichts. Mein Tacho sagt, Batterie leer. Schlau, wie ich bin, habe ich sogar eine Ersatzbatterie eingepackt. Die Fahrt geht stimmungsvoll über leichte Höhenzüge dahin und ich versuche dem Regen auszuweichen.

Bei der Stadt Steinskjer, die irgendwie an Freilassing erinnert, stehe ich eine halbe Stunde über meinen Karten grübelnd da. Grund: die Auffahrt auf die E6 schaut mir sehr fahrradunfreundlich aus und erinnert eher an eine Autobahn. Irgendwann fahre ich dann doch los. Das übliche: viel, sehr viel Verkehr und wenig bis gar kein Platz für Radfahrer. Glücklicherweise muss ich nach 5km abfahren und folge der zweiten Straße, die nach Norden geht. Diese ist weniger stark befahren, aber immer noch frequentiert. Eine Dame versenkt beim vor mir Abbiegen fast Ihren Volvo im Straßengraben - man kann ihn aufsetzen hören.

Die Straße ist nur leicht wellig, 30km/h und mehr sind bei ebener Strecke möglich - ich fliege! Immer wieder Erdbeerfelder am Straßenrand - dieser Geruch. Herrlich. Ich befinde mich mittlerweile nördlicher als Alaskas größte Stadt Anchorage, es ist aber immer noch angenehm temperiert.

Die Wechselbatterie macht auch schlapp, seltsam. Also eine neue gekauft und die funktioniert dann auch.

Die Bauernhäuser in ihrem roten Holzbaustil lassen erahnen, wer für die Farmen in den VSA verantwortlich gewesen war.

Es fängt an zu Donnern. Das kann ich gar nicht gebrauchen. Hinter mir schwarze Wolken, sehr schwarze Wolken. Ich fahre weiter.

15:45. Ich brauche Wasser und beschließe das Wetter vor der Kirche von Namdalseid abzuwarten. Vorsorglich ziehe ich das Ölzeug an. Wind kommt auf. Die Bäume rauschen. Die schwarze Wolkenwand stürmt gefräßig auf mich zu, verschluckt das Tageslicht, der Regen folgt. Über der Pforte der Kirke steht: "Venite ad me omnes". Ja irgendwann kommen wir alle mal!

Nach einiger Zeit fahre ich weiter, das Gewitter ist jetzt vor mir, der Regen ist geblieben. Er peitscht mir getragen vom Sturm, der mich die ganze Zeit von der Straße wehen will, den Regen ins Gesicht. Das tut fast schon weh.

Weiter. Der Fjord, der hier eher einem Fluss gleichkommt, ist wieder zu sehen. Schaumkronen auf dem Wasser, aber Rückenwind für mich. Sehr gut. Mit der Zeit wird es wieder wärmer, der Regen lässt nach, hört schließlich ganz auf. Ich pelle mich Stück für Stück aus meiner Regenkleidung, die Schuhschoner zuletzt. Nach Regen kommt Sonnenschein hatte für mich noch nie die Bedeutung, wie in diesem Moment.

Die ersten 1000km sind durch. Ich fahre seit 10 Tagen am Stück. Mein Fahrrad, die Taschen und ich selbst sehen mittlerweile aus, als ob wir es ernst meinen würden - tun wir auch!

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Immer der selbe wahnsinns Ausblick und die BRD wäre schonmal durchradelt!

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Hügel, Wind und Sonne!