Alta, Alter!

Tag 24

94,22km - 5:15:00h - insgesamt 2420,99km

Sonnenuntergang 21:39

Sonnenaufgang 3:23

Gestern Abend habe ich in einem absoluten feuchten Kälteloch geschlafen. Ich koche Pasta mit einem Italiener und wir unterhalten uns noch sehr lange übers Radfahren.

In der Früh freue ich mich, dass mein Zelt einigermaßen trocken geworden ist, gehe Zähneputzen, komme zurück: Regenschauer! Für 5 Minuten. Aber es hilft alles nichts, das Zelt ist patschnaß! Also eben so abbauen und darauf hoffen, dass ich es am Abend trocken bekomme.

Nach 20km stehen plötzlich 5 Rentiere auf der Straße und halten den ganzen Verkehr auf. Ich fahre nur zwei Meter neben ihnen vorbei. Scheu sind die jetzt nicht wirklich.

Ich begutachte eine massive Deutsche Bunkeranlage aus dem Zweiten. Der Blick schweift in die Ferne und ich stelle mir vor, was ein junger Mann gefühlt haben muss, der auf Wache stehend plötzlich die Englische Flotte auf sich zukommen sah. Ich verweile in Gedanken viele Minuten. Keine dreihundert Meter weiter sehe ich in einem Berg zwei betonierte Öffnungen. Natürlich muss ich da jetzt rauf. Gesagt getan. Ich betrete die erste Tür und finde zwei große Hallen vor. In der zweiten Geröll und hinten am Ende stehe ich vor einer Treppe, die steil ins Berginnere hinabgeht. Leider reicht das Licht meines Telefons nicht aus um hinabzusteigen. Ich ärgere mich, dass ich meine Stirnlampe aus "Gewichtsgründen" zu Hause gelassen habe. Nächstes Mal dann. Schade.

Ich treffe den Deutschen und den Italiener wieder und wir fahren immer mal wieder gemeinsam ein paar Kilometer. Alle 15-20 Minuten müssen wir die Regensachen anziehen, am Ende bleiben die Regenjacke und die Verhüterlis für die Schuhe an. Werde ich halt von innen und außen naß. Ich habe heute sicher 15 mal die Kleidung an und wieder ausgezogen - nervig. Immer nur für 10 Minuten Regen, dann scheint die Sonne wieder. Ich sehe Regenbogen über Regenbogen.

Mit dem Deutschen fahre ich kurz vor Alta dann auf eine Brücke auf einen Tunnel zu. 10 Meter vor dem Tunnel dann ein Verbotsschild für Radfahrer. Danke für nichts, als könnte man dieses Schild nicht 1,5 Kilometer vorher bei der letzten Abbiegung anbringen. Also zurück. Ich verabschiede mich und biege rechts in Richtung Tirpitzmuseum ab. Dort befindet sich ein Gedenkstein und ich halte kurze Zeit inne.

Der Radweg verläuft oftmals auf der alten E6, man hat eine ganze aufgelassene Straße nur für sich. Diese wird großflächig neu gebaut, mit großen, langen Tunneln und ähnelt einer Autobahn. Leider bleibt dadurch auch viel Romantik im wahrsten Sinne auf der Straße. Der Blick für das Wesentliche geht verloren - wenn es auch schneller ist.

In Alta fahre ich am Flughafen vorbei und möchte mich erkundigen, wie das mit dem Rückflug und meinem Rad funktioniert. Der Mann am Schalter erklärt mir erstmal, dass in 10 Minuten Schicht im Schacht ist und beantwortet meine Fragen auch nur sehr halbherzig. Da werde ich wohl Montag oder Dienstag einfach mal schauen, was ich zu tun habe

Ab morgen kommen die drei letzten harten Tage mit viel Steigung. Es geht durch Niemandsland die letzte Straße dieser Reise 280km nach Norden! Glauben kann ich das alles irgendwie noch nicht!

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Die Geschwindigkeit der Langsamkeit

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