Die Geschwindigkeit der Langsamkeit

Tag 25

149,6km - 8:20:31h - insgesamt: 2570,59km

Sonnenuntergang 21:35

Sonnenaufgang 3:09

Der Wind weckt mich früh auf. Ein Wunder ist geschehen, ich kann seit langem das Zelt in trockenem Zustand verpacken. Um 9:00 fahre ich los. Der Himmel ist stark bewölkt. Wird wohl das übliche geben, denke ich mir. Das Wasser ist sehr dunkel und kabbelig.

Es geht eine 5km lange 7%ige Steigung rauf. Nicht so schlimm wie erwartet. Insgesamt lande ich auf 400m Höhe in einer Hochebene. Immer wieder Samenlager neben der Straße. Deren Zelte sucht man aber vergebens, leben sie mittlerweile doch in Wohnmobilen oder kleinen Hütten.

Mein Rad schafft den Sprung auf 5000km. Ein junger Gebrauchter also.

Berge werden zu sanften ineinandergreifenden Hügelketten. Die Vegetation schrumpft auf ein paar vereinzelte niedere Bäume und Flechten. Arktischer Charme. Die Temperatur fällt drastisch auf 5-6°. Insgesamt muss ich nur zweimal die Regenhose überstreifen und der Regen ist nicht stark. Die Regenjacke bleibt dagegen die ganze Zeit an. Genauso wie die Verhüterlis an den Schuhen - halten sie doch die durch den Wind entstehende Kälte etwas ab. Meinen Schal winde ich mir ums Gesicht und folge den langen geraden Straßen. Der Wind steht mir im Rücken - wunderbar. Als ich auf die Halbinsel meines Zieles einbiege bricht sogar die Sonne durch die Wolken. Meistens habe ich den ablandigen Wind im Rücken. Manchmal muss ich aber einen Fjord ausfahren. Dann kommt er erst von der Seite und wirft einen fast vom Rad. Besonders die Böen sind tückisch. Wenn er von vorne kommt heißt es nur: runterschalten in den ersten Gang. Im Schneckentempo und unter hohem Kraftaufwand geht's vorwärts. Zentimeter für Zentimeter. Dafür schiebt er mich von hinten kommend die Steigungen mühelos rauf.

Ich fahre an der Ostküste nach Norden. Steuerbords habe ich das Nördliche Eismeer, backbords Felsformationen. Diese sind durch das feuchte Klima und stark unterschiedliche Temperaturen durch eindringendes gefrierendes Wasser aufgesprengt und in Platten daliegend.

Der Wind pfeift, als er sich den Weg durch mein Rad sucht. Ich denke zurück an Tag 1. Nein, noch viel weiter. Während meiner letzten und ersten Radreise habe ich den Beschluss gefasst, diese Reise zu unternehmen. Mal was extremes machen - ausbrechen. Es sollte zwei Jahre dauern, bis ich morgen mein Ziel erreichen werde. Die Geschwindigkeit der Langsamkeit habe ich mittlerweile gefunden. Ich habe Jahre auf diesen einen Moment dieser Reise innerlich hingefiebert. Niemals kann man mit einem anderen Transportmittel das erleben, was ich körperlich und geistig in den letzten Tagen erleben konnte.

Die Geschwindigkeit der Langsamkeit!

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Nordkapp. Ohne Pause. Pannenfrei.

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Alta, Alter!