0 - 227 - 0 - 63 - 0 - 401 - 0 - 289 - 0 - 70 - 0 oder: Der Herr der Erhebungen
Tag 23
113,79km - 6:57:13h - insgesamt: 2326,77km
Sonnenaufgang 3:22
Mittlerweile sind viele der Ortsnamen kaum noch auszusprechen. Nicht mehr Norwegisch, wie all die anderen. Das liegt daran, dass sie aus der Sprache der Samen, die über keine Schrift verfügen, nach deren Lauten niedergeschrieben wurden. Tatsächlich sieht man immer mehr Samen oder Finnen, die hier oben ansässig sind. Die meisten sind mittlerweile sesshaft.
Den ersten Berg mit knapp 230 Metern erklimme ich problemlos. Ein Tunnel, der mir das ganze erspart hätte ist erst im Bau. Nächstes mal dann.
Ich finde tatsächlich ein Geschäft, welches auch am Sonntag geöffnet hat, freue mich und statte mich mit allerlei Zutaten aus. Sonst hätte es heute nur Nudeln gegeben, da ich wie jedesmal vergessen habe, dass der Tag des Herren vor der Türe steht. Währenddessen ich draußen mein prächtiges Frühstück zu mir nehme, erscheint auch der Deutsche von gestern. Zwei KTM Räder auf einem Haufen! Nach einem erneut netten Gespräch trennen sich unsere Wege wieder. Wenn man sitzt, wird es doch recht schnell kühl. In der Bewegung hält man die 13° in der Sonne auch im Shirt und der kurzen Hose recht gut aus. Der Himmel hat völlig aufgeklart, keine Wolke zu sehen.
Auf einmal fährt tatsächlich ein Wohnmobil aus dem Berchtesgadener Land an mir vorbei. Jetzt fehlt nur noch ein Salzburger. Ein Motorradfahrer zeigt mir den Daumen nach oben.
Vor dem 400m Anstieg schnüre ich meine Schuhe fest zusammen. Jetzt schlafen zwar meine Zehen die ganze Zeit ein, aber man bekommt einen idealen Kraftschluss für den Berg hin. Man riecht schon die Bremsen und Kupplungen der Wohnmobile. Bergfahren will halt auch gelernt sein, denke ich mir. Ich esse noch eine Banane und fahre los. Eine zweite befindet sich für den Schnellzugriff in meiner Lenkertasche. Wenn die Kraft weg ist, hilft es meistens was zu essen. Die Fahrt gestaltet sich zwar als lange und anstrengend, doch bleiben die ganz steilen Passagen, wie ich sie schon hatte, aus. So erreiche ich ohne größere Pausen die Passhöhe. Der Ausblick auf den darunter liegenden Fjord ist magisch. Neben mir ein Schneefeld, welches ich unbedingt betreten muss.
Die folgende Abfahrt toppt mal wieder alles. Frisch geteert, Blick aufs Wasser und die Berge, kann ich es wirklich laufen lassen. Ein Brite überholt mich und steckt den Daumen aus dem Fenster. Vermutlich sieht er nicht alle Tage einen Verrückten, der mit 71 Sachen halb liegend auf einem vollgepackten Reiserad einen Berg runter rast. Es war sinnvoll die alten Bremssättel zu ersetzen!
Beim dritten und letzten größeren Hügel verfolgen mich beim Hochfahren dutzende Fliegen und setzen sich immer wieder auf meine Arme oder Beine. Jungs, ich weiß was Sache ist, aber lasst mich in Ruhe, ich hab zu tun, fluche ich.
Alles in allem wäre ich gerne noch weitergefahren, die Kondition war hervorragend, das Wetter blendend. Aber manchmal muss man eben Pause machen. Morgen erreiche ich in einer angenehmen Etappe Alta, wo ich nochmal vor den letzten zwei anstrengenden Tagen ausspannen werde.