Schicksalsberg, Olympia und freundliche Autofahrer
Tag 5
80,24km - 6:05:56h - insgesamt: 466,3km
In der Nacht hat es geregnet. Immer ein erhebendes Gefühl, das nasse Zelt abzubauen, mit der Sicherheit, dass es abends beim aufbauen dann komplett nass sein wird.
Der Anstieg beginnt. Wieder kommt ein Warnschild. Ich stelle fest, dass das Elchwarnschild nicht als Größenschluss für alle anderen Tiere gilt. Es wechseln immer wieder Schilder, die vor Schafen, Elchen und Rindsviechern warnen. Auch auf dieser Etappe sehe ich die Großen leider nicht. Die Schafe kündigen sich erstmal nur durch ihre Hinterlassenschaften auf der Straße an.
Die ersten 10km Anstieg verlaufen angenehm leicht und ich kann mit 7-8km/h emporsteigen. Nach der Aufwärmphase wird es plötzlich ernst. Die kommenden 26km werden ein Spektakel. Netterweise steht plötzlich ein Warnschild, das vor extremer Steigung warnt. Ohne dieses hätte ich das wohl nicht gemerkt. Entgegenkommende Autofahrer zeigen immer wieder Daumen hoch oder winken mir zu. Überholende lassen erheblichen Abstand oder fahren geduldig (oftmals zu geduldig) hinter mir her, bis es auch wirklich sicher ist zu überholen. Die, die mit zum Teil weniger als einem Meter überholen sind Autos aus der BRD. Es geht mit 4-5km/h nach oben. Auf insgesamt 830 Höhenmeter. Die Landschaft verändert sich von einem starken Waldgebiet hin zu einem Platz mit schütteren Fichten und Birken mit einem spürbaren Höhencharakter. Immer wieder kann man einen Blick auf den im Tal fließenden Dokka erhaschen. Das Wetter ist Gott sei Dank bewölkt und mit 18° wohl temperiert. Ich passiere einen kleinen Stausee und zahlreiche eingestreute Moore. Es wird kühler. Schafe belagern jetzt zum Teil zu Dutzenden die Straßen und begutachten mich argwöhnig. Irgendwann ist der letzte Anstieg gemeistert, der letzte Gipfel erklommen.
Nach 36km und 3:27h ankämpfen gegen die Schwerkraft beginnt eine ca 8km lange Abfahrt, die ich in vollen Zügen genieße. Eine Maximalgeschwindigkeit von 56km/h bringt mich schnell wieder ins Tal. Natürliche ginge es noch schneller, aber mit so einem Gütterzug will ich es nicht übertreiben. Überholt werde ich trotzdem nicht.
Unten angekommen erstmal Mittagessen. 45km habe ich jetzt auf dem Tacho. Währenddessen ich meine Süßspeise verschlinge, muss ich erst langsam die letzten Minuten verdauen. Läufer haben ihren Runnershigh, Radfahrer keine Ahnung was, aber es lässt einen wirklich drauf sein.
Langsam fahre ich weiter und sehe schon von weitem die Skisprungschanzen der Olympischen Winterspiele von 1994 über der Stadt Lillehammer.
Für meine Stromversorgung war der heutige Tag aber desaströs. Der Dynamo versorgt erst ab 15km/h und das Solarpanel produziert erst bei, wer hätte es gedacht: Sonnenschein. Beides habe ich heute eher selten bis gar nicht. Dennoch komme ich bis jetzt komplett autark zurecht. Umso mehr aber ist man froh um Fahrradschuhe, mit denen man sich mit dem Pedal fest verbinden kann. Dadurch tritt und zieht man, was am Berg eine deutliche Kraftersparnis und effizientere Ausnutzung des Tretens ermöglicht. Das kann ich in den kommenden Tagen auch gut gebrauchen. Es soll bis auf 1060 Meter rauf gehen.