Darauf konnte einen keiner vorbereiten und ich hab welche gesehen!
Tag 6
117,66km - > 7h - Insgesamt: 583,96
Es hat wieder geregnet. Zelt nass. Los geht die wilde Fahrt. Nach ca 19 km hört der Teerbelag auf, weiter geht es auf Schotter. Bei km 34 stellt sich der Tacho aus Versehen auf null, es ist kalt, windig. Der Regen kommt von der Seite. Also Ölzeug an. Die ersten 440 Höhenmeter. Alpines Gelände, Serpentinenstraßen. Toller Ausblick. Wieder runter ins Tal.
Um 16:30 entscheide ich mich, warum auch immer, noch den Anstieg auf 1160 Meter zu wagen. Ich fahre los. Die Steigung zieht ordentlich an. Ab 700 Hm sieht man den Atem dampfen. Scheiß Wetter. Man riecht die Bremsen und Kupplungen der runterfahrenden Autos. Ab einer Kapelle auf ca 800Hm steht in meinem Reiseführer beginnt dann der richtige Aufstieg. Und ich dachte, das was ich bis zu diesem Zeitpunkt gefahren bin, war schon ordentlich. Es sollte tatsächlich noch einmal spürbar anziehen.
Weiter, immer weiter. Kein Schmerz, kein Zögern, es geht schon. Irgendwann stehe ich auf dem kleineren "Gipfel". Ein Supermarkt, Campingplatz, Hütten, mitten im Naturschutzgebiet. Ich werde angesprochen, wie denn der Aufstieg war, er hätte mich mit dem Auto überholt? "Very hard, indeed!"
Ich fahre weiter und komme in eine Landschaft, die keine Bäume, nicht mal mehr Sträucher hat. Nur karges Moos, Flechten und Steine. Immer mal wieder ein kleiner See. Inmitten von noch größeren Gipfeln spule ich die Kilometer ab. Beim Anblick dieser lebensfeindlichen Umgebung werde ich tatsächlich sentimental. Niemals hätte ich mich auf sowas vorbereiten können. Da fährt man fast 1200 Meter aus eigener Kraft hoch und erlebt dann sowas. Unglaublich! Welch ein Ausblick. Karge Natur, dazwischen eine Straße, sonst nichts. Ich fahre weiter, irgendwann geht es wieder runter. Ich erreiche 63,5km/h Spitze. Geile Abfahrt.
Tatsächlich sehe ich eine Elchkuh mit ihrem Kalb, wenn auch eingezäunt.
Jetzt zelte ich neben einem Fluss 10 Kilometer vor der nächsten Stadt, es regnet, hat 12° und ich bin hundemüde. Das was ich heute erlebt habe, ist ein guter Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird. Die ersten 500km sind durch. Ich auch. Gute Nacht!