Ein bisschen Pause!

Tag 13

65,85km - 3:51:43h - insgesamt: 1327,61km

Sonnenuntergang 22:26

Sonnenaufgang 4:03


Erste Amtshandlung des Tages: fahre einen Fjord komplett aus, das Spiel ist bekannt. Rechter Hand von mir die Bergkette "Die sieben Schwestern", die als Wetterscheide gegen das Nordmeer dienen, linker Hand das stahlblaue Meer. Wieder mal absolute Windstille. Herrlich. Ich habe Hunger. Gestern Abend habe ich die letzten 30km vergebens nach einem offenen Laden gesucht. Immerhin gab es auf dem Zeltplatz Eier und Snickers zu kaufen. Eine etwas braune Banane habe ich noch. Mein Weg zum Frühstück dauert 29,78km und es fällt dementsprechend umfangreicher aus. 1 Pizzabrot, 2 Süßspeisen, 1 Semmel, welche hier Wienerbrødle genannt wird und nichtmal ansatzweise so gut wie eine echte schmeckt, einen Eiersalat und ein Red Bull. Vorsorglich fülle ich auch meine Vorräte wieder auf.

In Norwegen sollte man niemals auf einen Radweg fahren. Entweder sie bestehen aus alten Teilen einer Straße und sind damit recht kaputt, sie enden plötzlich nach 200m im Nichts oder man fährt mühsam einen Berg rauf und wird dann von der eigentlichen Straße weggeführt. Jedesmal fahre ich wieder auf einen und jedesmal ärgere ich mich! Ebenso die Übergänge von Straße auf Fußgänger-/Fahrradwege sind mit zum Teil erheblichen Stufen versehen. Ich frage mich, wie das ein Rollstuhlfahrer macht.

Den nächsten Fjord muss ich nicht ausfahren, dafür darf ich ihn auf einer hohen Brücke überqueren. Immerhin gibt es einen schmalen Fußweg, welcher mir bei dem aufkommenden Wind in 60m Höhe und Blick in den Abgrund nicht ganz geheuer erscheint. Höhenangst und so. Auf jeden Fall bin ich froh drüben zu sein.

Mittlerweile habe ich alle Energydrinks durch. Die beste Dose hat meines Erachtens der Monster Energy Ultra. Sie ist weiß und die aufgemalten Tropfen sind mit Erhebungen plastisch dargestellt. Ein Traum. Man muss sich irgendwie beschäftigen.

In Ballungsgebieten gibt man sich sehr hochgeschlossen und keusch. Typisch Norwegische Tracht, denke ich mir. Weiter aufs Land, damit ich etwas sehe, was ich von zu Hause nicht kenne.

Ich warte auf meine Fähre und werde von einer Norwegischen Familie angesprochen. Mit dem Mann, der nur mehr ein Auge hat, verstehe ich mich blendend und so unterhalten wir uns auch auf der Überfahrt die ganze Zeit. Die Tochter macht sogar ein Foto von uns beiden, so begeistert sind sie.

Bei dem schönen Wetter beschließe ich heute nach kürzerer Etappe etwas früher Schluss zu machen und meinen Beinen und dem Sitzfleisch etwas mehr Verschnaufpause zu gönnen. Der Muskelkater in den Beinen ist zwar verschwunden, doch plagen mich Verspannungen im Nacken. Das Sitzen wird nach vielen Stunden am Tag irgendwann aber das schlimmste Problem. Am Nachmittag fahre ich nach dem Zeltaufbauen noch schnell ohne Gepäck zum Einkaufen und wusste gar nicht mehr, wir leicht und flink ein Fahrrad im Antritt sein kann.

Ich wurde gefragt, ob ich mich einsam fühle. Das kann ich ganz klar verneinen. Die tägliche Routine erleichtert vieles. Zelt abbauen, losfahren, frühstücken, weiterfahren, Filmen, Fotos machen, fluchen, sich freuen, abends Zelt aufbauen, Bericht schreiben, Essen zubereiten und schließlich schlafe ich relativ früh ein. Dazwischen hat man tatsächlich immer wieder nette Gespräche, weil viele wissen wollen, woher, wohin und so weiter.

Mittlerweile habe ich voraussichtlich die Hälfte meiner Reise geschafft.

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Einfach der Wahnsinn!

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