Einfach der Wahnsinn!
Tag 14
95,99km - 6:13:41h - insgesamt: 1423,6km
Sonnenuntergang 22:24
Sonnenaufgang 4:02
Ich wache früh auf. Der Wind rüttelt an meiner dünnen Zeltwand. Gegen acht fahre ich los. Der Supermarkt macht erst um neun auf, kein Problem denke ich mir, der Nächste kommt bestimmt bald. Ich fahre Richtung Norden. Dieses Mal habe ich Gegenwind.
Es geht auf 350m rauf. Oben angekommen habe ich einen der besten Ausblicke, den ich jemals genießen durfte. Ich stehe an einer Klippe. Man hört das Meer mehrere 100 Meter tiefer rauschen. Sonst Ruhe. Die Weitsicht ist gigantisch. Vor mir der Fjord.
Wo ich zuerst mit 9% Steigung rauf musste, kann ich jetzt auf der anderen Seite wieder runterfahren. Der Wind bremst mich. Unten angekommen trete ich gegen eine unsichtbare Steigung an. Die ganze Zeit. Die Sonne brennt auf der Haut. Es geht in einen Tunnel. Die Temperatur sinkt augenblicklich um viele Grad. Rollen lassen ist nicht bei diesem Wind. Endlich erreiche ich das Ende des Fjords und drehe zurück auf Südkurs. Perfekt. Dieses Mal Rückenwind. Sehr angenehm. Die Hitze und das Rauf und Runter fordern ihren Tribut. An einem schönen sonnigen Platz schlafe ich eine Stunde auf einer Parkbank.
Es folgt der Sjonatunnelen mit 2780m Länge. Schlecht beleuchtet, immerhin habe ich ein gutes Licht dabei. Hin und wieder kündigt sich ein Auto schon mehrere 100 Meter vorher laut tösend an. Es ist frisch und feucht. Ansonsten bin ich alleine. Immerhin muss ich den Berg nicht überqueren. Wieder draußen freue ich mich über die Wärme. Die Berge sind von der Eiszeit glatt geschliffen. Man kann die Bahnen die das Eis genommen hat gut erkennen.
Nach 50km habe ich das andere Ende des Fjordes erreicht und einen Höhengewinn nach Norden von nur ein paar Kilometer gemacht. Aber immerhin war es landschaftlich schön. Es folgen noch ein paar kürzere und längere Tunnel. Nach 78km dann das erste Geschäft seit meinem Startpunkt in der Früh. Ich kaufe ein Eis und allerlei Fressalien. Da kommt ein anderer Reiseradler auf mich zu und fragt auf englisch nach einer Sonnencreme. Ich gebe ihm eine. Es stellt sich raus, dass er ein Deutscher Arzt ist, der in Finnland lebt und arbeitet. Wir tauschen unsere Erfahrungen aus und sitzen so über eine Stunde beisammen.
Die letzten Kilometer sind, wie kann es anders sein, eher hügelig. Ich befinde mich nur noch wenige Kilometer vom Polarkreis entfernt. Abends gönne ich mir eine Portion Fish and Chips und treffe meine Zeltnachbarn von gestern Abend wieder. Ebenfalls Deutsche, ebenfalls auf dem Weg nach Norden.