Landnahme
Tag 8
101km
Insgesamt: 2043km
Am Morgen spreche einen Deutschen an, der neben mir verzweifelt versucht, seinen Motordeckel aufzumachen. Ich frage ihn, ob er Hilfe braucht. Er grummelig: „Nein, danke!“. Er fummelt weiter, ich steige aus und sage: „Bei VW immer in der Mitte.“ Zack, er findet es. Danke sagen, das braucht oder kann er aber nicht. Deutsche Griesgram-Mentalität. Nicht alle, aber viele. Leider. Die Dänen sind da ganz anders.
Weiter geht es bei strahlendem Sonnenschein nach Hanstholm. Die kleine Hafenstadt besticht mit all ihren kleinen Werften, in denen die Fischer- und Arbeitsboote zur Überholung liegen.
Weiter nach Vigsø. Dort verschwand eine ganze Heeresküstenbatterie. Faszinierend, wie diese tonnenschweren Bunker die letzten achtzig Jahre Stück für Stück im Meer und Sand versunken sind. Was am Boden schon spektakulär aussieht, zeigt sich aus 300m in seiner wahren Größe. Die Heeresküstenbatterie Vigsø von 1941 wurde ab 1942 gegen Bombenangriffe befestigt und sollte die rechte (nördliche) Flanke der Geschützbatterie in Hanstholm schützen. Diese ist die Schwesterbatterie der Batterie
Vara in Kristiansand und sollte die Einfahrt zum Kattegat sperren. Auf dem frühen Luftbildfoto sind schon klar die vier Kasematten mit den 105mm Geschützen, sowie der Kommandobunker in der vordersten Reihe zu sehen. Danach wurden noch einige Bunker zusätzlich gebaut. Besonders auffällig ist die Küstenverschiebung an dem z-förmigen Schützengraben links zu sehen, der auf der alten Aufnahme noch viel weiter vom Meer entfernt lag.
Natürlich habe ich vorher in Hanstholm auch das örtliche Bunkermuseum besucht. Ich kenne die Anordnungen bereits aus der baugleichen Anlage in Kristiansand. Dennoch handelt es sich um ein gelungenes Museum. Hier sieht man teilweise noch Originalzeichnungen der dänischen Landschaft mit ihren Windmühlen, die die Landser an die kalten Bunkerwände gemalt haben.
Beim Spar gönne ich mir ein Eis. Die Kassiererin, eine ältere freundliche Dame, spricht mich auf dänisch an, nur um dann nach Entdecken der Deutschen Hoheitsabzeichen auf meinem Tshirt, gleich zu entgegnen: „Mei, wenn i des gwusst hätt’, dann hätt’ma auch Deutsch babbeln könne.“ Sachen gibts.
Das Handynetz ist klar schlechter als in Norwegen. Am Wegesrand fallen mir die vielen Leerstände auf, auf deren Verkauf mit „Til Salg“ Schildern hingewiesen wird. So ein Bauernhof wäre schon was…
Die Sonne brennt runter, im Radio läuft Sunshine Reggae. „Gimme, gimme, just a little smile… Let the good vibes get a lot stronger!“. Genau so.
Am Abend stolpere ich durch Zufall über einen Shelter, wo man auch übernachten darf. Das kenne ich bereits aus Schweden, wusste aber nicht, dass es das flächendeckend auch in Dänemark gibt. Spezialist. Zumeist ein überdachter Shelter aus Holz, mit Feuerplatz und Brennholz. Die
Tun sich wirklich was an hier oben. Bei uns ginge das wohl nicht - Vandalismus täten ihr Übriges.
Hier treffe ich später auch eine dänische Familie, deren Vater mich gleich auf mehr als fünf Dosen Bier und Marshmallows überm Feuer einlädt.
Unfassbar freundlich.