Die erste Panne!
Tag 9
Kurz vor Hirtshals
98km
Insgesamt: 2141km
Nachdem ich der Familie von gestern den Shelter zum Nächtigen überlassen habe und dann doch ins Zelt gezogen bin, regnet es natürlich die ganze Nacht.
Am Morgen bedanke ich mich mit ein paar im örtlichen Geschäft gekauften Süßigkeiten bei der Familie für die mehr als fünf Bier am gestrigen Abend und schaue dann an den Strand, denn hier wird so eine Art dänische Version von „Der gefährlichste Job Alaskas“ gedreht.
Weiter geht die wilde Fahrt immer Richtung Norden. Bis jetzt habe ich genau ein dänisches Polizeiauto gesehen. Soviel sehe ich zuhause innerhalb von zwei Minuten. Plötzlich geht einfach das Autoradio aus. Tot. Mehrere Versuche des Neustartens scheitern. Einfach tot. Ich fahre in ein Feld neben der Straße und öffne den Sicherungskasten. Die fürs Radio zuständige Sicherung aber ist intakt. Fluchend hole ich meinen Leatherman aus dem Handschuhfach und beginne damit das Armaturenbrett auszubauen - zwei Alternativen immer im Hinterkopf: Entweder für 500€ ein neues Radio kaufen oder die restlichen Wochen ohne Musik und ordentliches Navi verbringen zu müssen.
Armaturenbrett ausgebaut, alle Steckverbindungen kontrolliert und eine Sichtkontrolle aller Kabel durchgeführt - nichts.
Danach baue ich wieder alles zusammen - die Laune ist im Keller. Natürlich rutsche ich auch noch ab und fertige einen Kratzer im Display an. Verdammt! Motor wieder an und ich stelle fest - der Zigarettenanzünder, über den ich all meine Akkus lade, funktioniert auch nicht. Selbes Spiel wie vorhin - ab auf die Knie, Sicherungskasten aufgemacht, richtige Sicherung gesucht - tadaaa - der Sauhund ist durchgeknallt! Fehler gefunden. Neue eingesetzt und alles funktioniert wieder einwandfrei. So soll es sein. Jetzt weiß ich immerhin, wie man das Armaturenbrett mitsamt Radio ausbaut, denke ich mir süßsauer.
Die erste Aufgabe haben wir wohl gemeistert.
Jetzt geht es weiter an den Autostrand. Die nächsten Stunden fahre ich Dutzende Kilometer durch die Dünen und den Strand. Links von mir die See, rechts die Dünen. Im Tiefsand wird das Auto immer wieder versetzt, gräbt sich aber brav und zuverlässig weiter nach vorne. Auf einmal liegt ein 3m langer, kleiner, toter Wal auf dem Strand. Allmählich wird die Küste immer steiler, der Strand schmaler, die Gegend wilder. Nur noch wenige Leute sind unterwegs, die Autos überschaubar. Irgendwann bin ich dann komplett alleine. Steckenbleiben sollte ich jetzt nicht - auch wenn ich einen Klappspaten dabei habe. Hierher sollten nur echte 4x4s fahren. Das könnte jetzt auch irgendwo in der vollkommenen Wildnis in Südamerika sein, denke ich mir immer wieder.
Auf der Rückfahrt, es war dann doch eine Sackgasse, die man zwar bei Ebbe hätte passieren können, hupt mir ein dänischer Jimny zu und alle Insassen geben mir den Daumen nach oben. Wir freuen uns gegenseitig. Generell muss ich schmunzeln, wenn „ausgewachsene“ Off-road-Fahrzeuge wie ein Landrover entgegen kommen und mir zufrieden zunicken oder der Herr in der Eisdiele dem Auto fröhlich nachschaut. Das positive Gefühl kenne ich sonst nur von meinem MX5. Der Kleine ist Teil des Ganzen und wird ernst genommen und dabei sicherlich kein Poser.