Zivilisationsschock
Tag 20
Geiranger - Åndalsnes
336km
Insgesamt: 3911km
Die Nacht an der Straße war gar nicht mal so schlecht. Kaum Verkehr, Nebensaison sei dank. Am Morgen fahren wir erst nochmal hoch auf die Aussichtsplattform des Dalsnibba. Von dort hat man einen hochalpinen Ausblick auf den tief unter einem liegenden Geirangerfjord. Gerade läuft ein großes Kreuzfahrtschiff ein, ich weiß, was das unten bedeutet. Um mich herum nur Fjell und kahle Berge, soweit die Blicke schweifen. Es weht ein kalter Wind.
Wieder runter. Serpentine an Serpentine. Vorbei an unserem Nachtlagerplatz zurück ins Tal auf die gegenüberliegende Seite zur Adlerstrasse. Da müssen wir schon kurz rauf, zur anderen Aussichtsplattform mit Blick „um die Ecke“ des Fjords.
Nach ein paar Minuten das selbe Spiel, kurbel, kurbel, brems, brems, zurück nach Geiranger zur Fähre. In Folge zähle ich ganze zwei Stunden einen nicht enden wollenden Schwall an Menschen, die den Bauch der großen Aida verlassen. Oben rutschen Kinder über eine Außenrutsche, plantschen Menschen in den Außenpools mit den gläsernen Wänden. Beeindrucken, doch tauschen möchte ich nicht.
Endlich geht es an Bord der Fähre und wir legen ab. Neben mir lässt sich ein Rudel lauter Spanier nieder. Ein Deutscher fährt vorher sein Wohnmobil an einem Pfosten kaputt, die Chinesen fliegen um die halbe Welt um dann in einem der (dem) bedeutendsten Fjorde der Welt vor mir auf dem Handy Tetris zu spielen. Und wieder einmal ist sie da - die Klatsche der Zivilisation. Mitten im Fjord, umgeben nur von Wasser, sind die Felswände mit Graffiti beschmiert. Man fragt sich wirklich. Die Majestät der Berge und des Fjordes ist dennoch erneut überwältigend.
Wieder an Land führt uns die Straße kurz ins Venedig des Nordens, nach Ålesund. Hier half der Deutsche Kaiser Wilhelm II zum Teil mit eigenen Mitteln beim Wiederaufbau der Stadt nach einem verheerenden Brand. Eine Kaiser Wilhem Gate (Straße) und ein Denkmal erinnern an die schnell bereitgestellte Hilfe.
Weiter geht es nochmal kurz in die Berge, zur Trollstigen. Einmal rauf und einmal runter. Spektakulär. Letztes Jahr blieb sie mir ja aufgrund des Wetters verwehrt. Absolut beeindruckend. Und das Beste daran, es ist so gut wie nichts los.
Am Abend lassen wir uns dann in der Nähe von Åndalsnes an einem See nieder. Der Sonnenuntergang mit all seinen Farbvariationen an den Wolken und Spiegelungen im Wasser ist aufregend schön.