Der Strand

Tag 5

Fanø-Vejers Strand

96km

Insgesamt: 1598km

Gleich in der Früh fahre ich auf den Autostrand. Einfach von der Straße runter auf den Sand. Niemand ist da. Ich bin allein. Früh losfahren zahlt sich aus. Anschnallen Fehlanzeige - ich fahre ein Auto, in dem nichts piept und den Fahrer erziehen will. Am Strand ist das aber auch nicht notwendig. Als ich mit dem Auto vorbeifahre, schlafen Vögel direkt neben mir und schrecken nicht auf. In Deutschland würden die vor Schreck sicher aussterben, denke ich mir.

Ich fliege eine Runde mit der Drohne.

Weiter geht es nach Blåvand. Hier war ich als 3-4 Jähriger schon mal. Ein paar schöne Erinnerungen habe ich dennoch noch. Es geht wieder an den Strand. Zu Fuß. Durch die Dünen, wir sind ja nicht in Deutschland, wo man nur auf vorgefertigten Wegen gehen darf. Ich gehe gut und gern 2h in eine Richtung. Neben mir ein stiller Zeuge vergangenen Streitens nach dem anderen. Bunker. Manch einer komplett von Sand und Dünung verschluckt. Andere stehen nach über 70 Jahren noch am selben Platz, wo andere schon 20 Meter den Abhang runtergerutscht sind. Manchmal quetsche ich mich durch ein 50x50cm großes Loch mehrere Meter in einen Tunnel hinein, um das Innere eines Bunkers entdecken zu können. Hinter mir braut sich ein Sturm zusammen. Die Wolken hoch aufgerichtet und bedrohlich schwarz wie die Nacht. Umkehren ist angesagt - aber ich weiß bereits, dass ich es nicht mehr schaffen werde und suche Unterschlupf in einer alten Batterie. Wie aus dem Nichts ist der Regen da. Ein starker Regen, aber nach zehn Minuten Weltuntergang ist wieder Ruhe und die Sonne zeigt sicher erneut. Dinge des Nordens eben.

Neben einem Besuch im Fischerei- und Seefahrtsmuseum in Esbjerg lasse ich es mir nicht nehmen und besuche auch den Deutschen Soldatenfriedhof in selbiger Stadt, den Friedhof „Gravlund“, was Friedhof auf Dänisch bedeutet.

Weiter geht es. Man merkt, wie sehr sich die Leute freuen, wenn man als Autofahrer rücksichtsvoll fährt und sich selbst nicht immer so wichtig nimmt. Ständig kommt mir ein Lächeln der Passanten entgegen - es wäre doch so einfach.

Was auffällt, ist der Plastikmüll am Strand wo nicht so viele Leute gehen. Ohne gleich in den Fanatismus der Allerletzten Generation verfallen zu müssen - das stellt wirklich ein Problem dar und dürfte wohl mit ein bisschen Rücksicht von uns Erdbewohnern lösbar sein. Dürfte.

Am Abend finde ich einen Stellplatz mitten in den Dünen. Über einen schlammigen Hügel soll es hochgehen. Zuerst habe ich meine Zweifel, ob das klappen kann - der Jimmy klettert aber mühelos wie eine Bergziege nach oben. Herrlich. Obwohl es nur 30 Meter „off-road“ waren, fange ich an das Auto zu lieben.

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Kindskopf

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Ein Auto am Strand