Der krasseste Abschlepper EU-Nord!

Tag 32

Skellefteå-Røros

831km

Insgesamt: 8155km

Der Platz am Wasser war fein. Total trocken, hat man auch selten. Sachen gepackt, wir wollen starten. Der G aber nicht. Er springt nicht mehr an. Und wir stehen mitten im Wald, am Ende einer abschüssigen, matschigen Straße. Der Anlasser will grade nicht mehr. Hatte er schon mal beim Rauffahren.

Wir müssen es versuchen. Seilwinde raus. An den Abschlepphaken des Jimnys gehängt. Allrad rein. Untersetzung rein. Seil auf Spannung bringen. Los. Der Jimmy geht quer, gräbt sich ein und … reißt den Elefanten mitsamt Anhänger hinter sich los. Die Anhöhe rauf und ab auf die Ebene. Aber auch hier will der Anlasser nicht. Mir kommt die Idee, den G anzuschleppen und mit Einlegen des ersten Ganges den Motor zu starten. Erneuter Versuch. Wir fahren an. Zack, er ist wieder an und meldet sich mit lautem zuverlässigem Dieseln wieder unter den Lebenden zurück. Na Servus. Das Schleppen hätte ich dem kleinen Zwerg nicht zugetraut, passt er doch in den Kofferraum des G. Das Gespann G und Anhänger kommt vermutlich doch über 2,5 Tonnen und das Ganze dann einen schlammigen Weg nach oben. Jetzt habe ich die giftgrüne Abschleppschlaufe auch noch brauchen können. Die Seilwinde vom G möchte sich grade nicht mehr einfahren, vielleicht sind auch einfach wir grad einfach unfähig - so wird sie über den Bullenfänger gehangen. Ein bisschen Mad Max-Style - funktioniert aber.

Gut gemacht, Jimny.

Beim Anfahren auf der geteerten Straße verabschiedet sich der Schmodder aus den Reifen und fliegt hinter mir auf die Straße.

Wie schön es hier doch ist. All die roten Häuser, die Seen, der Wald. Eine Harley überholt mich. Der Stahlhelm sitzt und sie bollert herrlich laut. In Deutschland? Ach, wir kennen das Spiel. 110 km/h kommen einem auf einmal wieder sehr schnell vor.

Um 13:10 sind wir wieder allein. Der G mitsamt Fahrer und Begleithund fahren südwärts. Etwas wehmütig bin ich dann doch. Danke für die schöne und definitiv nie langweilige Zeit! Aber für ein paar Tage geht es nochmal alleine weiter. Übrigens startet der G jetzt wieder als wäre nichts gewesen. Ein altes Auto eben. Hat seine Sache bis auf die Kinderkrankheiten aber echt gut gemacht. Respekt. Wenn man weiß, wie der noch vor knapp zwei Jahren aussah… Ich bin mir sicher, dass all die Wehwehchen für die nächste Reise keine Rolle mehr spielen werden.

Ich verlasse die E4 und biege nach Westen ab. Ab in die Berge.

Da sind sie wieder, die Schotterstraßen mit all ihren lieblichen Schlaglöchern. In einer Kurve bricht mir das Heck aus und ich muss gegenlenken. Eine Straße ist gesperrt. Der Umweg führt mich über Buxtehude. Schotter. Ein Fahren wie auf rohen Eiern. Ein Reh kreuzt die Straße. Mitten in der Einsamkeit dann Bauernhöfe. Weiße Silageballen auf den Feldern. Norwegen kommt einem regelrecht bewohnt vor verglichen mit Schweden. Der gewohnte Griff zu meiner Trinkflasche, die ich am Trenngitter des jimnys angebracht habe. Alles routiniert. Kaum noch Netz hier draußen. Die Steine prasseln ans Auto, welches immer mehr die Farbe des Untergrunds annimmt.

Bist Du schon mal eine Stunde durch die Wildnis gefahren? Nein? Mach es! Selten habe ich mich so alleine gefühlt, wie auf den paar hundert Kilometer Schotter heute.

Dazwischen immer wieder die Schneisen der Holzindustrie. Alles kahl, alles tot. Neues Leben kann hier entstehen.

Die Dämmerung tritt ein. Als ich um eine Kurve fahre, sehe ich nur noch schemenhaft zwei Rentiere vom Wald auf die Straße hüpfen - Kurs auf mein Auto. Ich sehe schon den Einschlag mitsamt Rentiergulasch kommen. Doch wie durch ein Wunder drehen die flauschigen Biester dann Zentimeter vor meinem Auto doch noch ab. Ich hätte nichts mehr machen können. Schwein gehabt, das war mehr als knapp.

Leider wird das Wetter richtig schlecht. Dennoch beschließe ich die Fahrt auf den höchsten Pass Schwedens noch anzutreten. Vielleicht ist dort das Wetter besser, denke ich mir.

Oftmals beiße ich beim Anblick eines Schlaglochs schon prophylaktisch die Zähne zusammen. Dankbar für das Licht am Dach bin ich allemal - das macht einen riesen Unterschied. Dutzende schön beleuchtete Skichallets warten auf ihre Gäste im Winter.

Um 22:15 hört der Regen knapp hinter der norwegischen Grenze wie angesagt auf und ich kann mein Zelt im Trockenen neben der Straße aufbauen. Mittlerweile läuft die Routine, die Handgriffe sitzen.

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Da ist ein See unter meinem Zelt!

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Wir sind die Coolsten wenn wir cruisen!