Da ist ein See unter meinem Zelt!

Tag 33

Røros-Oslo

643km

Insgesamt: 8798km

Kurz nachdem ich im Zelt war ging wieder die Welt unter. Es regnet die ganze Nacht, stark. Ich friere etwas. Unterm Zelt wird alles nass sein, vermute ich. Und genau so war es dann auch. Am Morgen steht das Zelt, wie ein Eisberg im Meer, in einem kleinen See.

Weiter geht es in die Bergbaustadt Røros. Der Deutsche Einfluss ist kaum zu übersehen. Schilder wie Erzscheidergården weisen auf die Aktivitäten der Bergleute aus dem 18. Jahrhundert aus u.a. dem Harz hin. Die Häuser werden dunkler, älter. Am Land gibt es jetzt sehr viel Landwirtschaft und noch mehr Ferienhäuser. Manchmal sticht kurz die Sonne durch - ansonsten abartiger Regen.

In Grimsbu steht eine Museumstankstelle von BP mit alten Zapfsäulen. Irgendwoher kommt mir diese Tankstelle bekannt vor. Ich vermute, dass ich damals vor sechs Jahren mit dem Fahrrad hier vorbeigefahren bin. Genau weiß ich es aber nicht mehr.

Die Landschaft wird wieder weitläufiger. Weicher. Runder. Oben das Fjell. Unten Bäume und Felder. Ich erkenne Teile des Olavweges. Vor mir das majestätische Dovrefjell, das ich teilweise durchschritten bin. Hier ist nichts mehr los. Die Touristen sind mehrheitlich weg oder woanders.

Das Puzzle vervollständigt sich. Immer mehr Einzelteile der Strecke kommen mir bekannt vor. Ich fahre an dem Ort vorbei, wo es mir vor fünf Jahren so schlecht gegangen ist. Magen Grippe. Passt nicht so gut zum Pilgern mit schwerem Rucksack. Ich komme an dem alten Bauerngestüt an, wo ich an einer Andacht teilgenommen habe. Es ist seltsam, wie einsam und allein ich mich damals gefühlt habe, wenn man jetzt mit dem Auto über die belebte Straßen fährt. Als ich damals aber oben auf dem Fjell und dem Pilgerweg war, waren die Einsamkeit und Entbehrung real. Dennoch hat es die „Wildnis“ von damals ein bisschen entzaubert oder verzerrt.

In Dombås holt mich der Tourismus dann wieder ein. Was Mozart in Salzburg, ist der Moschusochse in Dombås, er ist so gut wie überall drauf. Zu Gesicht bekommen habe ich aber keinen.

Auch wenn von unten schwarze Wolken zu sehen sind, fahre ich, wie letztes Jahr, noch kurz auf den Blåhø mit seinem riesigen Funkmast. Die Anreise ist steil, matschig und rutschig. Perfektes Gebiet also für den Jimmy. Tatsächlich reißen die Wolken kurzzeitig auf und geben den Blick auf das Fjell frei. Wie schön kann es doch sein. Oben angekommen nutze ich die regenfreie Zeit und bereite Nudeln zu. Als das Wasser kocht, fängt es unmittelbar wieder zu schütten an. Ich esse im Auto und beschließe doch heute schon nach Oslo zu fahren. Bei dem Wetter ist das alles sinnlos hier. Wie letztes Jahr habe ich leider kein Glück in dieser Gegend.

Auf dem Weg Richtung Süden gibt es überall noch Überschwemmungen. In Lillehammer sind ganze Straßen abgesoffen. 80 km vor Oslo gibt es dann so starke Regenschauer, dass die Überschwemmungen auf der Autobahn das Wasser beim Durchfahren weit hochspritzen lassen. Lustig beim off-road-fahren, ungut auf der Autobahn bei viel Verkehr. Zum Teil schätze ich die Tiefe auf gute 10cm. Der Himmel ist bedrohlich gelblich verfärbt.

In Oslo wird’s dann wieder etwas besser. Immerhin.

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Pause in Oslo.

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Der krasseste Abschlepper EU-Nord!