Tag 4 – Von Wasser, Wind und Wunder: Norwegen duscht uns durch
Stavanger – Hardanger
333,7 km
Gesamtkilometer: 2224,2km
Das Wetter? Na danke auch. Dauerregen. Nicht der nette Niesel, sondern die Sorte, bei der du denkst, der Himmel möchte sich persönlich für irgendwas entschuldigen. Links Felsen, rechts Wasser – Norwegen macht’s sich einfach, was das Landschaftsdesign angeht. Und dazu ein ordentlicher Wind, der jeden Regenschirm in den Ruhestand zwingt.
Und jetzt? Ab in die Berge! Klar, was sonst. Ich hatte ja gehofft, dass das Wetter sich gnädig zeigt – immerhin war ich bisher ziemlich vom Glück verfolgt. Aber heute? Nichts da. Das wird wohl eine dieser Fahrten, bei der man sich mehr über den funktionierenden Scheibenwischer freut als über die Aussicht.
Das Ziel: der legendäre Hardangerfjord. Mit rund 179 Kilometern Länge ist er der zweitlängste Fjord Norwegens und einer der schönsten der Welt. Gesäumt von steilen Berghängen, tosenden Wasserfällen und Apfelplantagen, präsentiert er sich als eine Mischung aus Postkartenidylle und Wikinger-Instagram-Kulisse. Und nein, bei Regen sieht man davon… nichts. Aber hey, man weiß es ja!
Dann: Fähre Nummer 1. Groß, modern, elektrisch – Norwegen kann Schifffahrt in Öko. Ohne Geruckel, dafür mit leise surrendem Antrieb gleiten wir über das Wasser. Aber genau das ist es ja, was schon dem E-Auto fehlt. Emotionen. Die alten Boote waren irgendwie - leidenschaftlicher. Das Erstaunliche: Kaum 5 Minuten Wartezeit. Deutsche Bahn, schau hin und lerne.
Weiter geht’s über Straßen, die vermutlich von Ziegen entworfen wurden. Eng, kurvig, steil. Und plötzlich – zack – ein Wasserfall direkt neben der Straße. Einer nach dem anderen, als hätte jemand ganz Norwegens Touri-Magneten entlang unserer Route gestreut.
Rechterhand: der Preikestolen – eine der spektakulärsten Felsplattformen Europas, fast 600 Meter über dem Lysefjord. Nur leider heute nicht zu sehen. Der Nebel hat sich gedacht: “Den gönn ich euch heute nicht.” Die Wanderung dorthin? Gestrichen. Ich seh ja nicht mal den Parkplatz richtig.
Dann ein kurzer Schreck: Ein Motorrad liegt im Graben. Alle vor mir fahren weiter, ich halte an – kein Fahrer zu sehen. Auf der Gegenfahrbahn ein Warndreieck – offenbar schon gemeldet. Trotzdem denke ich mir: Ein bisschen bessere Absicherung wär’ nicht schlecht, dann bekäme nachfolgender Verkehr keinen Schock. Diese Gräben sind keine harmlosen Straßendekorationen – sie reichen von harmlosen 50 Zentimetern bis “hier endet dein Urlaub”. Ich hab schon zu viele Wohnmobile gesehen, die sich quergelegt haben. Kein schöner Anblick.
Das nächste Ziel: die Haukeli Fjellstue – eine Art norwegisches Berghotel, das bei uns glatt als urige Alpenhütte durchgehen würde. Von dort startet mein Abstecher auf die Hardangervidda, Europas größte Hochebene. Hier habe ich im Februar bei Eiseskälte im Zelt und auf Skiern übernachtet. Wer’s nachlesen oder sich Fotos anschauen will klickt [HIER] oder aufs Bild.
Aber jetzt? Sommer. Und plötzlich wirkt alles… unspektakulär. Irgendwie „Standard-Norwegen“. Hübsch, klar. Aber ohne das Winterdrama eben nur halb so wild.
Auf dem Weg liegt noch das berühmte Haus auf der Insel im Lovrafjorden. Ein Klassiker für alle, die sich fragen, wie es wäre, Post per Drohne zu bekommen. Völlig abgeschieden, ein Haus, ein Felsen, ein Fjord – fertig ist der norwegische Lebenstraum (oder Albtraum, je nach WLAN-Bedarf).
Und zum krönenden Abschluss: Latefossen – einer der eindrucksvollsten Wasserfälle des Landes. Zwei große Wasserarme stürzen sich tosend auf beiden Seiten der Straße hinab, treffen sich unter der Brücke und sorgen für einen feuchten Gruß direkt ins Auto, wenn man das Fenster offen lässt. Kein Witz. Da wir aber eine Baustelle und einen komplett überfüllten Parkplatz vorfinden, geht es einfach weiter.
Im folgenden Bild ist der Flesefossen zu sehen, der ebenso direkt neben der Straße und einer tollen Installation mit Toilette, Informationen und Regenschutz steht.
Fazit des Tages:
Ein Tag wie eine schwedische Tragikomödie: nass, neblig, aber irgendwie unvergesslich. Norwegen zeigt sich von seiner dramatischen Seite – und wir fahren einfach mittendurch. Dennoch könnte das Wetter etwas - trockener sein.