Tag 3 – Kühe, Kanonen und Kampfflieger: Wandern zwischen Weide und Weltkrieg
Stavanger
Gefahrene Kilometer: 0
Gegangene Kilometer: 15
Insgesamt: 1682,2 km
Pausentag. Der Platz ist fein und ich beschließe, eine ausgedehnte Wanderung in der Gegend zu unternehmen. Direkt hinter dem Campingplatz liegt der Flughafen Stavanger/Sola. Im Zweiten Weltkrieg war er einer der ersten Orte, die am 9. April 1940 von der Wehrmacht besetzt wurden. Rund 190 Fallschirmjäger des 1. Bataillons des Fallschirmjäger-Regiments 1 sprangen aus ihren Ju 52-Maschinen und wurden damit Teil der ersten offensiven Luftlandeoperation der Geschichte.
Dementsprechend viele militärische Relikte gibt es hier an der Küste. Schon bei der Anfahrt konnte man auf fast jedem größeren Hügel und gefühlt alle 500 Meter einen kleinen Rundstand ausmachen. Direkt hinter dem Campingplatz thront auch einer – umzingelt von Kühen, die entweder als tierische Wachposten fungieren oder einfach das Gras dort besonders lecker finden.
Der Spaziergang führt mich immer näher ans Flugfeld heran. Neben der Straße entdecke ich etwas Besonderes: einen vermutlich französischen Panzerturm, auf einem Bunker montiert. Solche Beutestücke wurden oft in Atlantikwall-Positionen verbaut – dieser hier scheint ein Überlebender zu sein. Besonders erstaunlich: Er ist weder zerstört noch zugeschmiert. Der originale Holzboden und sogar die Holztüren sind noch erhalten! In Zeiten, in denen Stahl nach dem Krieg dringend benötigt und eingeschmolzen wurde, ist das eine echte Rarität.
Ein kleines Waldstück neben dem Flugplatz birgt weitere Zeugnisse der Vergangenheit: mehrere gut erhaltene Baracken, augenscheinlich aus Kriegszeiten, sowie Munitionsbunker für schweres Gerät. Man spürt fast, wie hier einst das Bodenpersonal hin und her lief, um Jagdflieger für Einsätze gegen alliierte Geleitzüge aufzumunitionieren.
Der Weg führt mich schließlich an den Strand – Kühe links, Wellen rechts, und ich irgendwo dazwischen. Über Stock und Stein geht’s zurück zum Lagerplatz, nicht ohne noch auf ein paar weitere betonierte Zeitzeugen zu stoßen, die wie Mahnmale zwischen Wiesen und Felsen ruhen.
Das Bild unten zeigt den Blick aus dem Inneren eines größeren in den Fels gehauenen Bunkers auf eine der zwei einzigen Türen nach außen.
Von außen sieht man nur das:
Innen drin ist es still, kühl – und vollkommen dunkel. Kaum ein Geräusch dringt hinein. Nur das ferne Donnern der Nordsee erzählt noch Geschichten.
Irgendwann erblicke ich wieder den kleinen Fischerort, neben dem mein Auto steht.
Große Schiffe fahren in kurzen Abständen vorbei.