Tag 14 – Drei Bomber, ein Schlachtschiff und ein grinsender Elch
Ørland-Kolvereid-Outback
388,5km
Insgesamt: 4045,9km
Etwas wehmütig verlassen wir den schönen Campingplatz. Mein Blick schweift noch einmal rüber zur riesigen Luftwaffenbasis Ørland – und siehe da: Gleich drei B-1B Lancer stehen dort, als hätten sie gestern Abend noch geübt, synchron zu parken. Natürlich habe ich die nicht fotografiert, denn man fotografiert ja nicht in militärische Liegenschaften rein… ;) aber im Kopf bleibt das Bild trotzdem gestochen scharf. Keine schlechte Kulisse zum Abschied.
Am Supermarkt wird mal wieder mit laufendem Motor eingekauft. Hier oben ist das offenbar Volkssport – vermutlich, weil niemand Angst hat, dass das Auto geklaut wird. Wer sollte es auch wohin fahren, wenn Polen weit weg ist. Oder so. Nein, Polen ist eh schön.
Bevor es nach Trondheim geht, muss ich noch einen alten Bekannten besuchen: den Cäsarturm des Schlachtschiffs Gneisenau, heute als Fort Austrått bekannt. Die Gneisenau war ein deutsches Schlachtschiff der Kriegsmarine, das nach Kriegsschäden außer Dienst gestellt wurde. Ihren hinteren 28-cm-Drehturm baute man 1942 in die Festung Austrått ein – als Teil der Küstenverteidigung gegen eine mögliche alliierte Invasion. Das Ding ist so groß, dass es von weitem wie ein gestrandeter U-Boot-Turm wirkt. Das Museum schließt - wie jedes Jahr pünktlich am 13. August – aber ich wollte eh nur ein schnelles Foto machen. Wer Zeit hat: Der Besuch lohnt sich, das kann ich nach letztem Jahr sagen.
Trondheim empfängt mich mit Sonnenschein und einer kleinen Stadtrunde. Vorbei am Nidarosdom und dem 0-km-Pilgerstein, wo ich vor sieben Jahren nach 700 km Fußmarsch angekommen bin. Der Ort hat immer noch eine besondere Wirkung, auch wenn ich inzwischen mehr Auto- als Wanderschuhe trage. Ein Abstecher in eine Konditorei endet wie immer in Norwegen: Zwei Eiskaffee, zwei kleine Törtchen, ein Gebäck – 40 €. Das Lächeln der Verkäuferin gibt’s gratis dazu.
Auch die beiden gestern erwähnten U-Boot-Bunker Dora I und II werden besucht.
Die Landschaft rund um Trondheim überrascht mit goldenen Weizenfeldern, roten Bauernhäusern und unzähligen Baustellen, die aus der einspurigen Schnellstraße eine zweispurige machen sollen. Am Flughafen heißt es Abschied nehmen – meine Freundin fliegt nach Hause, und ich fahre wieder allein weiter. Traurig bin ich schon, aber auch das Alleinereisen bringt Vorteile mit sich.
Der Trondheimfjord liegt ruhig neben der Straße, am östlichen Ende zweigt der Fættenfjord ab. Dort liegen noch heute die zwei Betonpiere, an denen das Schlachtschiff Tirpitz 1942 und 1943 festgemacht war. Direkt daneben erinnert ein Denkmal an britische Piloten, die bei Angriffen auf die Tirpitz ihr Leben ließen. Allein 1942 gingen hier 17 Flugzeuge verloren, 64 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben – ein stiller Ort mit lauter Geschichte.
Ab jetzt ist die Fahrt über die E6 eher Kolonnenfahren deluxe. Nichts wie runter auf die Reichsstraße 17, wo mich gleich ein Elch von der Straßenseite angrinst. Für ein Foto reicht es nicht, aber definitiv ein echter Elch –nicht einer aus der Tankstelle als Schlüsselanhänger und auch kein Pferd.
Es folgen bekannte Orte: Die Tankstelle, an der ich mal bei Gewitter eine Wurst gegessen habe, Steinkjer, Namsos. Im örtlichen Rema 1000 begrüßt mich die Kassiererin auf Deutsch mit „1, 2, 3, 4 Scheise“. Wir lachen, ich lobe ihr Deutsch – und frage mich, warum ein Ort dieser Größe gleich vier Supermärkte braucht.
Dann kommt ein besonders schöner Abschnitt: Wald, Wasser, Inseln – Kanada-Feeling pur. Wildnis. An meinem traditionellen Fotospot mache ich wie jedes Jahr in derselben Kurve das gleiche Foto. Alte Traditionen muss man pflegen. An der nächsten Fähre heißt es dann: 1,5 Stunden Wartezeit. Also koche ich mir Faschiertes mit Bohnen. Ein Auto neben mir lässt den Motor fast die ganze Zeit (1h) laufen – hier oben ticken die Uhren (und die Abgaswerte) anders.
Pünktlich legt die Fähre an, und es geht noch ein Stück weiter nach Norden. Kurz vor Mitternacht finde ich einen kleinen Parkplatz direkt an der Straße. Endlich wieder Wildcampen – diesmal ohne Jets, aber vielleicht mit einem Elch als Nachtwächter. Oder so. Hoffentlich ist er zumindest normal.