Tag 1: Endlich wieder Norwegen!
Hirtshals – Kristiansand – Lindesnes
116,2km
Insgesamt: 1682,2km
Dieses Mal wird es die Fähre am Morgen, sodass wir nicht im Dunkeln nach einem Übernachtungsplatz suchen müssen. Mit dem Dachzelt ist der kleine Jimny dann doch 2,25 m hoch und muss daher gemeinsam mit den größeren Fahrzeugen ins Schiff einfahren. Das Personal winkt uns freundlich ein – alles läuft routiniert und zügig ab.
Dann legt das Schiff ab – und mit einem gleichmäßigen, sonoren Ruckeln beginnt die Überfahrt nach Norwegen. Der Leichtturm von Hirtshals verabschiedet sich bei bestem Wetter.
Die See liegt wie ein Spiegel da, ruhig und fast meditativ. In der Ferne ziehen Möwen ihre Kreise, und an Deck riecht es leicht nach Salz und Schiffsdiesel – ein Duft, der Fernweh und Abenteuer verspricht. Ja gut, Abenteuer an Bord sieht wahrlich anders aus. Die Sonne glitzert auf der Wasseroberfläche, und die Zeit vergeht fast zu schnell. Nach etwa 3,5 Stunden taucht am Horizont der erste Vorbote Norwegens auf: der Leuchtturm von Kristiansand.
Kristiansand, die charmante Küstenstadt, ist ein beliebter Ausgangspunkt für Reisen entlang der Südküste. Mit ihren weißen Holzhäusern, dem Fischmarkt „Fiskebrygga“ und dem lebhaften Stadtkern … so würde es wohl ein Touristenführer schreiben. Die Wahrheit ist, wir verlassen Kristiansand-Hafen gleich wieder und es ist wohl die letzte größere Stadt Norwegens, die ich noch nicht wirklich besucht habe.
Endlich wieder NORWEGEN!
Die Straßen sind leer, die Luft ist kühl und klar, und selbst das Licht scheint irgendwie weicher zu sein. Norwegen, das Land, das mehr nach Freiheit riecht als jedes andere, begrüßt uns mit seiner typischen Mischung aus Ruhe, Weite und Natur. Schon die ersten Kilometer fühlen sich an wie ein Abstreifen des Alltags, auch wenn es erstmal auf der neugebauten Schnellstraße weitergeht. Bis diese urplötzlich aufhört und der nächste Berg im Weg ist, der gerade abgetragen wird. Ein paar Jahre noch, dann kann man hier weiterfahren (und verpasst all die schönen, kleinen Nebenstraßen).
Die Fahrt geht weiter Richtung Südwesten, zum südlichsten Leuchtturm des Landes – dem Lindesnes Fyr. Während sich im Landesinneren schwere, fast dramatisch wirkende Regenwolken auftürmen, bleibt es an der Küste freundlich – ein Spiel aus Licht und Schatten begleitet uns. Die Straße schlängelt sich durch eine hügelige Landschaft, vorbei an roten Holzhäusern, vereinzelten Schafen, weiten, offenen Flächen, aber auch bergiger Küstenlandschaft. Je näher wir der Küste kommen, desto schmaler werden die Straßen – und desto wilder wird die Natur.
Nach etwa 1,5 Stunden Fahrt erreichen wir den Leuchtturm.
Lindesnes Fyr ist nicht nur Norwegens ältester Leuchtturm, sondern auch ein Ort mit besonderer Atmosphäre. Hier treffen raue See, Geschichte und nordische Klarheit aufeinander. Bereits 1655 wurde hier das erste Leuchtfeuer entzündet – damals noch mit reinem Kerzenlicht. Der heutige Gusseisenturm stammt aus dem Jahr 1915 und thront stolz auf dem Felsen einer kleinen Halbinsel über dem offenen Meer. Das Licht reicht bis zu 17 Seemeilen weit hinaus. Umgeben von kahlem Gestein, Wind und Wellen fühlt sich dieser Ort beinahe zeitlos an – als stünde er außerhalb der normalen Welt. Auch eine Stellung des Atlantikwalls hat es hierhin geschafft und windet sich um das maritime Lichtzeichen.
In der Ferne zieht ein Segelboot vorbei.
Der Tag endet auf einem kleinen Campingplatz nicht weit entfernt, eingebettet in Felsen. Der Platz ist einfach, aber genau richtig: ruhig, natürlich, mit Blick aufs Wasser. Aber dann doch etwas eng. Der Wind zieht an und eine Regenfront macht sich tröpfelnd über das Dachzelt her.