Das Vorspiel

Das Vorspiel

Salzburg – Hirtshals (Dänemark)

1.566 km

Das ganze Jahr über träumt man davon – und arbeitet letztlich auch dafür: diese kurze Zeitspanne im Sommer, die Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag. Der Sommerurlaub rückt näher, und regelmäßige Leser meiner Reiseberichte ahnen es bereits – es geht wohl wieder nach Norwegen.

Doch schon Wochen vor der geplanten Abreise in den hohen Norden „plagen“ mich immer wieder Gedanken an ein Dachzelt. Es verspricht mehr Komfort und quasi überall eine Übernachtungsmöglichkeit. Das Problem: Mein kleiner Suzuki Jimny, Baujahr 2010, hat nur eine dynamische Dachlast von 40 Kilogramm – ein einigermaßen sinnvolles Dachzelt wiegt aber meist an die 50kg. Und obendrein habe ich bereits einen 11 Kilo schweren Dachgepäckträger montiert. So oder so werde ich wohl überladen sein.

Am Ende siegt trotzdem die Begierde – und ich schlage bei einem reduzierten Angebot für ein neues Zelt zu, der Hersteller will wohl die Lager leer haben. Glück gehabt! Mit diesem Neuzugang besitze ich nun insgesamt fünf Zelte. Haltet mich für verrückt – aber jedes hat seine Aufgabe. Und ich trenne mich ungern von Dingen, mit denen ich besondere Momente erlebt habe.

Am 14.07. ist es endlich soweit. Der grüne Jimny startet mit 84.000 km auf dem Tacho zu seiner dritten Reise nach Norwegen. Der Optik halber habe ich ihm noch ein paar schicke Retro-Streifen auf die Seiten geklebt – die sogar halbwegs gerade geworden sind. Schneller macht das ihn leider nicht. Es regnet leicht bei schwülen 23°.

Nach dem ersten Tankstopp rechne ich kurz nach – 7,3 Liter auf 100 km. Gar nicht so schlecht, denke ich mir. Das Dachzelt bremst zwar ordentlich, und der Schwerpunkt ist deutlich nach oben gewandert. Der ohnehin kippelig zu fahrende Jimny wird damit noch spitzer – aber man gewöhnt sich daran. Mit 80–90 km/h hänge ich mich an LKWs – gemütlich. Die ersten 800 Kilometer sind geschafft.

Am nächsten Tag geht es nach einem kurzen Abstecher ins Deutsche Panzermuseum weiter an die Ostsee – Ziel: Kiel/Laboe. Laboe liegt direkt an der Kieler Förde und ist bekannt für das beeindruckende Marine-Ehrenmal – ein 85 Meter hoher Turm, der ursprünglich an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Marinesoldaten erinnern sollte. Heute wird hier an alle Gefallenen und maritimen Opfer der beiden Kriege gedacht. Besonders beeindruckend: das begehbare Deutsche U-Boot U-995 aus dem 2. Weltkrieg, das direkt daneben liegt. Ein Stück Geschichte zum Durchlaufen – beklemmend und faszinierend zugleich.

Die nächsten Tage wird richtig Urlaub gemacht – wenig fahren, viel herumliegen. Mit dabei: meine Freundin, zum zweiten Mal, ein altgedienter Freund mit G-Klasse, der schon 2023 mit ans Nordkapp kam, und ein Neuling mit einem Tesla.

Von dort geht es Stück für Stück die dänische Westküste hinauf – immer Richtung Norden. Besonders beliebt sind die Stellplätze direkt in den Dünen.

Dänemark überrascht immer wieder: Mit knapp 6 Millionen Einwohnern auf über 400 namentlich bekannten, bewohnten und unbewohnten Inseln gehört es zu den dünner besiedelten Ländern Europas. Die Landschaft wirkt entschleunigend – flach, weit, windig. Die höchste Erhebung ist irgendwas mit 170 Metern. Sozusagen überschaubar. Die Menschen sind freundlich und gelassen, wenn auch nicht ganz auf dem Level der Norweger. Dänemark ist vermutlich nicht umsonst eines der Länder mit der höchsten Lebenszufriedenheit weltweit.

Die Sonnenuntergänge am Meer sind, wie immer, etwas ganz Besonderes.

In wenigen Minuten kann sich die Szenarie ändern.

Auch die Tierwelt weiß zu begeistern: Möwen, Seerobben, Pferde – und sogar ein toter Schweinswal. Übrigens: Der Schweinswal ist der einzige dauerhaft heimische Wal in Nord- und Ostsee.

Ein weiteres Highlight sind die Autostrände mit ihren zahlreichen Bunkern des Atlantikwalls. Wo sich tagsüber Auto an Auto reiht und das Chaos regiert, ist man abends manchmal völlig allein. Neben einem: die Steilküste, vor einem: das tosende Meer. Dass man in Dänemark vielerorts legal mit dem Auto an den Strand darf, ist europaweit fast einzigartig – eine Eigenheit, die besonders Freiheitsliebende wie ich zu schätzen wissen. Auch wenn die Dünen vielerorts begangen werden dürfen, sieht die Flora und Fauna recht intakt aus. Bei uns ist das zumeist streng verboten, aber Deutschland ist ja auch nicht mehr wirklich für seine Bewohner da, sondern rettet die Welt.

Nach einem Freizeitparkbesuch dann das erste Problem: Die Batterie der alten G-Klasse macht schlapp. Ich darf sie wieder einmal abschleppen – damit der Motor während der Fahrt gestartet werden kann. Das Überbrückungskabel hat diesmal leider nicht funktioniert. Sind wir ja schon gewohnt: Seil ran, Allrad und Untersetzung rein – los geht’s. Ohne Probleme setzt sich der Tross in Bewegung. Und irgendwann höre ich hinter mir den alten Langläufer-Diesel wieder wohlig vor sich hintuckern. Alle sind wieder fahrbereit.

Das Wetter wechselt zwischen stürmisch und angenehm sonnig – typisch Küste. Dänemark liegt im Übergangsbereich zwischen maritimem und kontinentalem Klima. Das bedeutet: schnelle Wetterwechsel, frische Winde – und überraschend viele Sonnenstunden im Sommer, wenn es eben nicht regnet.

Doch irgendwann kommt der schwere Abschied: Nur noch der Jimny mit Besatzung fährt weiter Richtung Hirtshals. Die G-Klasse und der Tesla müssen zurück. Schade – aber es war eine gute Zeit.

Macht’s gut, Dominic & Bono und Yannick!

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Tag 1: Endlich wieder Norwegen!