Heimwärts.

Tag 35-38

≈3.000km

Insgesamt: ≈11.000km


Das Wetter hat sich enorm verschlechtert und zehrt an meinen Nerven. Dazu kommt aber auch, dass ich das erste Mal auf meinen Reisen an einem Punkt angekommen bin, an dem ich nicht mehr wirklich Lust darauf habe weiterhin alleine zu bleiben. Daher beschließe ich schweren Herzens nach Hause zu fahren, obwohl ich ja noch Wochen Zeit gehabt hätte. Aber was soll’s - das Ziel, das mich angetrieben hat - mein Ziel - war erreicht, die Umstände harsch und die Moral geknickt. Selbst die abgehärteten Norweger fragen mich, ob es zum Zelten nicht zu kalt wäre.

In den nächsten drei Tagen spule ich nochmal gute 3000 Kilometer ab, was in Norwegen bei 60-80 km/h viele Stunden täglich hinter dem Steuer bedeutet. Manchmal bin ich so müde, dass ich nach 15 Stunden Fahrt den nächsten Parkplatz neben der Autobahn aufsuche und meinen Schlafsack einfach neben mein Auto lege. Wird schon nichts passieren - ich bin ja in Norwegen. Der Blick auf den Sternenhimmel ist überwältigend, genießen kann ich ihn aber nur kurz bevor mich die Dunkelheit des Schlafes erreicht. Mit dem Geräusch vorbeifahrender LKWs wache ich schließlich wieder auf und es geht weiter. Das Wetter ist im Süden tatsächlich deutlich besser geworden. Die Temperatur mit 15-20° plötzlich ungewohnt mild. Ich trage das erste mal seit 4 Wochen wieder nur ein Tshirt. Ich friere nicht mehr. Auf dem Weg entgehe ich zweimal nur knapp norwegischen Zivilpolizisten, die sich dann doch noch schnellere Autos vorgeknöpft und mich nicht rausgezogen haben. Nachdem die Reisen Geld fressen wie das Feuer trockenes Heu, bin ich dann doch recht froh keine 375€ zahlen zu müssen. Tatsächlich muss ich aber eine Aussage revidieren. Für mich galt bis dato nur die Küstenstraße als sehenswert - die Inlandsverbindungen tat ich aus Unwissenheit und vollkommen zu Unrecht als tröge Durchfahrtsstraßen ab. Das Gegenteil ist der Fall. Teile der E6 sind atemberaubend spektakulär. Ein endlos erscheinendes graues Band mit gelben Markierungen schlängelt sich durch Wälder, Flusstäler und Seen, garniert mit steil aufragenden Bergen, die den Wolken die zauberhaftesten Kreationen entlocken und den Sonnenstrahlen die Möglichkeit geben ein stimmungsvolles Bild zu malen. So stelle ich mir Kanada vor. Aber nein, es ist Norwegen und das ist auch gut so. Nach Stunden im Auto ohne wirklich großartige Gedanken stellt man fest, dass man eben seit Stunden nicht mehr gesprochen hat. Für jemanden, der an sich immer den Mund offen hat, ein seltsames Gefühl. Ich muss wieder unter Menschen. Im Süden nehme ich dann die Hochgeschwindigkeitsfähre und verlasse bei schönstem Wetter mein geliebtes Norwegen - zum vierten Mal in fünf Jahren.

Mit im Gepäck habe ich das Gefühl eine erfolgreiche Reise abgeschlossen zu haben. Dieses Gefühl gibt mir eine unglaubliche Erfülltheit und Zufriedenheit. Tatsächlich war ich nicht traurig zu gehen. Es war schlicht perfekt.

Seit Ende März habe ich fast 19.000km auf meinen kleinen Flitzer draufgefahren. Mit insgesamt 11.000km auf dem Tacho komme ich nach 38 Tagen wieder in meiner schönen Heimat an. Ich komme zurück von einer Reise, die vor wenigen Monaten in Salzburg an einer Kreuzung in meinem Kopf ihren Anfang genommen hat. An der Kreuzung, an der ein MX5 neben meinen Golf gefahren ist und ich mich zum zweiten Mal in ein Auto verliebt habe. Es war klar, dass ich als Autobegeisterter Mensch nochmal einen großen Roadtrip unternehmen würde. Es war annähernd klar, dass es nach Norwegen gehen würde. Es war auch ziemlich klar, dass es nicht mit einem Van sein würde - habe ich mir doch geschworen, dem Mainstream und dem Comfort fernzubleiben. Natürlich gab es kaum ein besseres Auto für dieses Vorhaben als den MX5, den ich mir im März geholt habe. Die Kommentare auf mein Vorhaben waren belächelnd bis ungläubig. Mit dem Auto willst Du da hochfahren? Heckantrieb, leicht, klein, Cabrio, Stadtflitzer, Studentenporsche, Frauenauto,… you name it. Aber ja. Widerstand und Gegenwind erzeugen Schwierigkeiten. Schwierigkeiten erzeugen Abenteuer. Abenteuer aber erzeugen unvergessliche Momente. Und genau diese habe ich erleben dürfen. Und der Kleine hat seine Aufgabe hervorragend gemeistert und alles mitgemacht, wofür er an sich nicht gebaut wurde. Chapeau. Darüberhinaus konnte ich in Gegenden Fahrspass erleben, wo sich zu 99,9% nur SUV's oder Caravans aufhalten. So muss es sein.

An dieser Stelle möchte ich aber Danke sagen. Danke an all diejenigen, die mir auf dem langen Weg begegnet sind. An all die lustigen, aber auch nachdenklich machenden Momente. Danke mal wieder an die wunderbaren Norweger. Danke an deren Gastfreundschaft. Danke an jeden, der hier oder auf anderem Wege einen netten Kommentar oder einen Daumen dagelassen hat. Danke an diejenigen, die meine Texte gelesen haben. In einer Social Media-Welt, wo alles kostenlos, selbstverständlich und damit belanglos ist, ist es ein gutes Gefühl den Aufwand nicht umsonst betrieben zu haben.

Ich wünsche denjenigen, die ähnliche Reise unternehmen alles Gute für ihre weiteren Unternehmungen. Abschließend wünsche ich mir von denjenigen, die immer von ihren eigenen Reisen träumen, sie aber nicht umsetzen: Springt endlich ins kalte Wasser und macht es - macht Eure eigene einzigartige Reise! Keine Ausreden - tut es einfach.

Wir hören uns nächstes Jahr wieder. Spätestens.

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Gamle Strynefjellsvegen

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Der Sommer ist vorbei - soviel steht fest.