Untreue tut weh!
Tag 11
26,5km
Insgesamt: 291,5km
Der Tag beginnt schleppend. Der Zeltplatz war mit 315 NOK (~31€) für ein Zelt eine Frechheit. Aber Wildzelten in der Stadt ist ausgeschlossen. Beim Verlassen der Stadt Lillehammer erstmal wieder zum Einkaufen. Danach gehe ich über kleine Straßen immer gegen Norden aus der Stadt heraus. Eine entgegenkommende Asiatin weißt mich erst auf Norwegisch, dann auf Englisch darauf hin, dass ich dort vorne Fische angeln kann. Ich bedanke mich höflich, habe aber leider keine Angel dabei.
Der Weg windet sich höher und höher durch Wälder, über Feldwege und Teerstraßen. Das Gudbrandsdalen wird verglichen zum Mjøsatal immer schmäler. Auf der anderen Seite erkenne ich die Bobbahn, an der ich letztes Jahr mit dem Rad vorbeigefahren bin.
Mir kommen Reiseradler entgegen. Mein Herz blutet. Wie gerne wäre ich doch auch dieses Jahr wieder mit dem Rad gegen Norden gefahren. Nochmal auf große Fahrt. 100 + x km am Tag anstatt 20-37. Leider lässt es die Entzündung eines fürs Radfahren sehr wichtigen Muskelansatzes dieses Jahr nicht zu mein schweres Reiserad über die vielen Bergpassagen zu kurbeln. Deswegen bin ich als Notlösung auf meine Pedes ausgewichen. Bis jetzt lässt mich der Muskel aber auch brav in Ruhe marschieren. Dann eben die „kleine“ Tour .
Inmitten des Waldes erblicke ich eine Nothütte für Pilger in der man auch übernachten kann. Ein nach vorne offener Verschlag, mit einem Bett auf Europaletten. Ich gehe rein und schreibe ins Gästebuch. An der Wand entdecke ich ein eingeritztes §11, die Korporierten unter uns werden wissen worum es geht. Schon verrückt sowas hier oben anzutreffen - ich habe herzhaft gelacht!
Einige Zeit später gehe ich extra einen Umweg um an den bekannten Kjærlighetsfossen zu gelangen. Dem Wasserfall der Liebe. Ein romantisches Bild ist in meinem Reiseführer abgedruckt. Von einem Wasserfall mit viel Wasser. Die Realität reicht heute leider nicht mal für eine ausreichende Dusche. Gerade einmal zwei kleine Rinnsale plätschern zögernd das Gestein runter. Achja - Dürre und so. Jeder einzige Fluss ist ausgetrocknet. Das hatte ich anders in Erinnerung.
Die Herberge, an der ich für heute meine Nachtrast geplant hatte, nimmt keine Karten an. Dementsprechend laufe ich von ca 450 Höhenmeter 300 runter um unten im Tal im Dorf mit vielen Supermärkten Geld abzuheben. Ernüchterung tritt ein, als mir gesagt wurde, dass der nächste ATM in Lillehammer wäre. 23km wieder zurück. Ich entgegne. „Wow, that‘s cool“ und werfe meine Pläne mit der Herberge über den Haufen. Wenigstens muss ich heute keine 350 Meter mehr nach oben laufen. Leider verpasse ich dadurch auch den „392km til Nidaros“ Meilenstein. Aber was soll’s. So zelte ich nur 2km vor einem Zeltplatz, an dem ich letztes Jahr übernachtet habe.