Ein Drittel ist rum!
Tag 10
36,8km
Insgesamt: 265km
Früh geht es los. Erstmal 500 Höhenmeter machen. Gott sei Dank im Schatten. An einem legendären Aussichtspunkt über das Mjøsatal treffe ich wieder auf Mario und Ulrike aus Deutschland. Die Chemie stimmt und wir reden noch einige Zeit bis wir uns wieder unabhängig von einander auf den Weg machen.
Der Weg schlängelt sich immer auf ca 300-400 Höhenmetern am Ufer entlang und bietet teils eine herrliche Aussicht. So geht es über Felder und Waldwege immer weiter gen Norden. An der nächsten Kirche trifft man sich wieder. Direkt neben dem Eingang zum Friedhof lassen wir uns nieder, packen unsere Kocher aus und bereiten standardmäßig ein Nudelgericht zu. Danach schlafen wir vor Erschöpfung auf der Wiese liegend erstmal ein. Die Einheimischen behandeln uns nicht wie Aussätzige, sondern grüßen uns lächelnd. Fragen werden uns gestellt, Tipps gegeben.
Ich marschiere weiter. Eine Dame, die am Weg wohnt bietet mir einfach so ein Eis an. Herrlich und unglaublich. Immer wieder springen aus den wenigen kühlen Büschen am Wegesrand verschreckte Vögel auf und fliegen panisch davon, als sie mich kommen hören. Irgendwann überquere ich die Grenze vom Bezirk Hedmark ins Oppland. Meine Kräfte schwinden zunehmend. Eindeutig zu wenig gegessen. Die Schritte werden kleiner, die Erschöpfung größer. Und wieder geht es bergauf. Der Staub unter den Füßen fliegt bei jedem Schritt auf. Der Weg führt mich mitten zwischen einem angepflanzten reifen Feld hindurch. Die Frucht bewegt sich mit dem aufkommendem Wind sanft hin und her. Plötzlich erblicke ich Lillehammer. Dieser Moment gibt mir unmittelbar einen Teil meiner verloren gegangenen Kräfte wieder zurück und ich kann das Tempo wieder anheben. Die letzten 7 Kilometer verlaufen wieder über harten heißen Asphalt. Nicht schön und schön schmerzhaft.
Heute habe ich ein Drittel meiner ersten Reise geschafft. Ich freue mich wieder in dieser wunderschönen Stadt zu sein, die von der Höhe der Häuser eher an ein größeres Dorf erinnert. Eine sehr lange Fußgängerzone leitet mich vorbei an Cafés, die am Sonntag geschlossen haben. Wunderbar.
Mittlerweile gibt es auch nur noch einen Olavsweg. In Lillehammer vereinen sich die West- mit der Ostvariante, welche ich gegangen bin. Die schönere, aber nicht „originale“ Westvariante bin ich letztes Jahr mit dem Fahrrad gefahren.