Für Brigitte.

Tag 29

25,7km

Insgesamt: 698,7km

In der Nacht stürmt und regnet es. Das Zelt wackelt, der Regen klatscht gegen den dünnen Stoff. In der Früh packe ich im Starkregen alles zusammen.

Los gehts. Der heutige Tag sollte noch einmal zu einer großen Herausforderung werden. Temperaturen um die 13° kombiniert mit Nässe und Wind sorgen für ein authentisches Reiseerlebnis. Spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem die Schuhe komplett durchnässt sind und auch die Regenkleidung ihren Dienst quittiert, fühlt man sich so richtig wohl. Bloß in Bewegung bleiben - sonst friert man jämmerlich. Der Regen peitscht einem ins Gesicht. Jeder Kilometer wird so zur Ewigkeit.

Letztlich komme ich trotzdem an. So stehe ich vor dem Meilenstein mit der Aufschrift „0km til Nidaros“ und blicke auf den Dom. Endlich. Was für ein langer Weg war das doch. Vor einem Jahr stand ich schonmal hier, allerdings mit dem Fahrrad. Damals hätte ich nicht gedacht, nochmal hier anzustranden. Tatsächlich aber war mein Ankommen nicht mehr so emotional wie letztes Jahr am Nordkapp. Die Routine hat eingesetzt, die Aufregung war leider nicht mehr da.

Auf 700km Wegstrecke denkt man über vieles nach. Man denkt an Menschen, die man absichtlich nicht mehr sehen will. Schauspieler eben. Man denkt aber auch an Menschen, die Dich einen Großteil Deines Lebens begleitet haben und das nun leider nicht mehr können.

Diese Reise widme ich einer langjährigen Freundin meiner Familie, unserer lieben Brigitte, die uns vor ein paar Tagen überraschend verlassen hat. Brigitte, danke für alles!

Ich bedanke mich auch bei meinen lieben Eltern für deren unermüdliche Unterstützung in jeder Lebenslage!

Letztlich bedanke ich mich aber auch explizit bei mir selbst. Der Verzicht auf Luxus jeder Art für Wochen ist nicht immer einfach. Zur physischen Belastung gesellt sich oftmals auch die psychische. Des Öfteren habe ich mich über absolute Kleinigkeiten wie zum Beispiel ein Frühstücksei gefreut. Dinge, die ich im Alltag als selbstverständlich abstempeln würde, erschienen plötzlich etwas Wunderbares zu sein. Diese Erfahrung des Verzichts ist einmalig, gerade wenn man zuhause eigentlich alles hat.

Was nimmt man nun außer Blasen und Muskelkater von so einer Reise mit? Meine Erkenntnis: Gib Dich mehr mit Menschen ab, die Dich wirklich mögen und unterstützen und zeige dem Rest einfach nur den Mittelfinger.

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