Brutal!

Tag 15

15,3 km

Insgesamt: 387,5km



In der Nacht wache ich immer wieder von meinen stark brennenden und schmerzenden Beinen und Füßen auf.

In der Früh geht es los, und tatsächlich läuft es sich relativ gut. Auf jeden Fall nicht so, als wäre ich gestern 44km gelaufen. Nach nur wenigen Metern geht es in den Wald und steil bergauf. Ein kleiner Trampelpfad führt über umgestürzte Bäume, große Steine und Wurzeln empor. Der Schweiß spritzt nur so aus mir raus. Ein unglaublicher Kraftakt beginnt. Der Wetterbericht spricht von bis zu 34°. Um mich rum sind die ersten Berge zu sehen, die höher sind als die Baumgrenze. Nackter Fels mit ein paar Flechten gibt einen Vorgeschmack auf das in kürze Kommende.

Brennnessel streifen im Vorbeigehen meine unbedeckten Beine und sorgen für ein angenehmes Kribbeln. Die Luft flimmert. Wie oft wurde ich auf dieser Reise schon ob meiner hohen schweren Stiefel ausgelacht oder zumindest fragwürdig angeschaut. Auf der heutigen Etappe weiß ich, warum ich sie trage. Mit Trail-Running Schuhen kann man das zwar laufen, gescheit ist es aber nicht. Blasen bekommt man vermutlich damit keine, auch sind sie leichter und luftiger. Einmal aber ausgerutscht oder umgeknickt und die Bänder sind futsch. Oder Schlimmeres. Von scharfkantigen Felsen rede ich mal gar nicht.

Der Weg wird immer steiler. Gott sei Dank habe ich auch meine Bergstöcke dabei, die helfen in diesem Gelände mit schwerer Beladung enorm. Es geht durch Schneisen, die durch Gerölllawinen mit Hausgroßen Steinen aufgefüllt worden sind. Kein Weg mehr. Nur noch die Beschilderung. Links geht es steil nach unten - ein Fehler und man ist schwer verletzt oder tot. Sicherlich kein typischer Pilgerweg. Gibt es auf der einen Seite Abschnitte, die von einem Rollstuhlfahrer bewältigt werden könnten, fordern Tage wie diese alles von einem ab und sind garantiert nichts für Ungeübte. Auch kurze Passagen machen einen fertig.

Weiter geht es über Moos, abgefallene Blätter und Gestein. Selten erhascht man im Vorbeigehen einen Blick auf den 500 Meter tiefer gelegenen Lagen. Obwohl die Sicht eingeschränkt ist, ist es für mich bis jetzt die schönste, weil wildeste Strecke. Mit Abstand. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sogar leichte Kletterpartien bewerkstelligen muss. Warum auch nicht?

Ist man erstmal erleichtert die Anstiege hinter sich zu haben, beginnt jetzt erst der wirklich harte Part. Der Abstieg. Auch hier mit extrem steilen Stellen. Ausfallschritte in die Tiefe sind an der Tagesordnung. Knie, Oberschenkel und Bänder leisten Extremes.

Mittlerweile dürfte ich so viel abgenommen haben, dass ich meine anfangs gut sitzende Hose zu verlieren drohe. Nun sind es unter 300 Kilometer bis zum Ziel und der spannendste Teil rückt schnell näher!

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Der erste Regen und Geschenke!

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