Andiamo!
Tag 21
77,35km - 4:30:11 - insgesamt: 2097,08km
Sonnenuntergang 22:09
Sonnenaufgang 3:29
Ich wache auf und schaue auf die Uhr. 8:48. Es hat wieder geregnet, meine Sachen sind immer noch klamm. Ich schaue auf den Fährplan. Um 9:45 geht bis 14:00 die letzte Fähre.
Alarmstart. 10 Minuten packen, Zeltabbauen. Los. 12km liegen vor mir. Vollgas. Der Körper spielt nicht wirklich mit. Keine Kraft, kein Frühstück! Ich erreiche in letzter Minute die Fähre mit einem Schnitt von 23,5km/h. Na servus. Wir fahren los, hinter mir geht die Welt unter. Schwarze Wolken und Regen verhüllen das, wo grade noch Land zu sehen war. Und ich schon nach so kurzer Fahrt völlig im Eimer.
An Bord treffe ich die Italiener wieder. Sie werden heute immer mal wieder auftauchen. Bevor ich die Fähre verlassen kann ziehe ich mir hastig meine Regenklamotten über, der Himmel hat sich wieder mal schlagartig geöffnet. Weiter geht's.
Am Straßenrand liegt immer wieder Müll. Dosen (obwohl Pfand), sowie allerlei Krimskrams. Traurig. Auch man selbst denkt über seinen eigenen Müllberg nach. Auf dem Fahrrad nimmt man immer alles mit und sieht so ganz genau, was man eigentlich an Müll produziert und das ist nicht wenig!
Plötzlich bricht innerhalb von Minuten die Sonne wieder durch. So stehe ich mitten in der Wildnis umrahmt von Bergen mit mittlerweile 5 Italienern da und alle wechseln zurück auf die normale Kleidung. Kurze Hose und Shirt, wo vor kurzem noch volle Verpackung angesagt war. Schon verrückt. Es geht eine sanfte Steigung in ein Hochtal mit einem See rauf. Hinter mir ein Fjord. Blauer Himmel, Sonnenschein. Ein paar Meter über mir immer wieder Schneefelder. Die Abfahrt geht mit Blick auf das Wasser locker von der Hand, wenn man mal von den ganzen Spurrillen und Hügeln absieht. Diese hindern mich trotzdem nicht daran, die Geschwindigkeitsbegrenzung zu brechen!
20 km vor Tromsø der erste Laden seit über 100km (zumindest auf meiner Route). Welch ein tolles Geschäft, das Erste dieser Art auf meinem Weg. Mit richtiger Fleisch- und Fischtheke. Prachtvoll. Frühstück.
Langsam rolle ich nach Tromsø rein. Ich esse den wohl nördlichsten Burger meines Lebens, kaufe neue Bremssattel, die alten sind runter. Die Stadt besticht mit ihrem eigenen Charme. Sie hat es meiner Ansicht nach gut geschafft, die Mischung aus alten Holzgebäuden und neuer Architektur zu meistern ohne an Charakter zu verlieren. Dort mache ich heute auch etwas früher Schluss um die Akkus für die ungefähr 500 letzten Kilometer wieder etwas aufzuladen.
Ich bedanke mich für all die Kommentare, Daumen und Nachrichten, sie geben mir in den nicht ganz einfachen Momenten (und davon gibt es immer wieder welche) Zuspruch.