Von Fischen, engen Straßen und 13°
Tag 17
77km - 4:38:39h - insgesamt: 1684,54km
Sonnenuntergang 22:30
Sonnenaufgang 3:52
In der Früh fragt mich mein Zeltnachbar aus Erding, ob ich einen Schrei in der Nacht vernommen habe. Ich: Ja da war was, solche Deppn! Er antwortet, nein nein, das war er. Ein Fuchs hat in sein Zelt reingeschaut und wollte Kekse klauen. Vielleicht hat der vorher auch bei mir vorbeigesehen. Immerhin habe ich einen tiefen Schlaf.
Ich fahre ins Zentrum der 50000 Einwohner Stadt Bodø. Ein Burger King, der erste (offene) seit Oslo. Frühstück. Direkt daneben, ich traue meinen Augen kaum, ein Elektroladen. Endlich kann ich mir neue Kopfhörer kaufen und wieder Stereo hören. Meine Alten haben vor 6 Tagen einseitig beschlossen nicht mehr zu funktionieren und es gab dazwischen keine Möglichkeit auf einen Neukauf. Ohne ordentliche Musik ist so eine Reise nur halb so spannend. Großartig!
Die Fähre von Bodø nach Moskenes auf den Lofoten bringt mich sicher in 3:20h rüber. Mein Fahrrad habe ich auf einem Platz, welcher mit einem großen gelben MC gekennzeichnet ist parken dürfen. Motorcycles. So steht mein Drahtesel inmitten fetter Harleys und schaut dort etwas verloren aus. Immerhin die bärtigen Biker haben mich akzeptiert und zeigen mir den Daumen hoch. Bis alles ausgeladen ist und ich das Schiff verlassen kann ist es dann aber schon fast 15:00. Viel schaffe ich heute nicht mehr, murmele ich.
Die ersten Meter auf den Lofoten. Ich folge einer schmalen Straße zwischen kleinen roten und gelben Häuschen, die zum Teil auf Stangen übers Wasser gebaut wurden, hindurch. Immer wieder die Trocknungsstangen für die Fische. Neben dem Tourismus scheint die Fischerei hier ganz groß zu sein. Kein Wunder bei den steil abfallenden tiefen Gewässern vor den Lofoten. Ich finde einen Fischkopf, in dessen Maul mal locker meine nicht gerade kleine Faust passt. Nette Zeitgenossen leben hier im Wasser!
Weiter geht die wilde Fahrt über Brücken mit Ampeln. Manche höher, andere noch höher, damit der Schiffsverkehr unten passieren kann. Tunnel spare ich mir wenn möglich und fahre an der Küste lieber die alte Straße entlang. Mit 13° und einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit auf Grund andauerndem leichten Nieselregen machen den Tag nicht zu den gemütlichsten. Immerhin ist die Straße angenehm zu fahren und es gibt kaum Steigungen. Die Landschaft empfinde ich als noch karger als alles, was ich bis jetzt auf dieser Reise gesehen habe. Immer wieder Strände mit weißem feinen Sand! Wäre das Wetter jetzt schön, könnte ich auch die Berge besser erkennen, aber die sind ab der Hälfte in weißem Nebel blickdicht verhangen.
Einen ungewöhnlichen Tunnel kann ich heute befahren. Dieser ist 1780m lang und führt mich erstmal steil nach unten. Ich weiß schon, es geht unter dem Meer durch, denke ich mir. Genauso ist es dann auch. Unten angekommen freue ich mich, dass es auf meinem kleinen Bürgersteig jetzt im Dunkeln wieder schwer nach oben geht. Es ist ohrenbetäubend laut.
Die Anzahl meiner Restkilometer (zumindest bis zum nördlichsten Punkt meiner Reise) sollte heute von vier auf dreistellig gewechselt sein.