Tag 26 – Mit der Sonnenbrille in den Bunker
Trondheim-Bud
281,6km
Insgesamt: 8242,4km
Die direkte Rückfahrt nach Oslo wird verschoben – wieder einmal. YR, die norwegische Wetter-App, verspricht Sonne satt an der Küste. Ein zu verlockendes Angebot.
Im morgendlichen Nebel geht es zunächst an der Startbahn der NATO-Luftwaffenbasis bei Trondheim entlang, wo ich vor einigen Tagen schon war. Plötzlich zerreißt ein ohrenbetäubender Lärm die Stille: Vier F-35 steigen mit Nachbrennern in den Himmel, während hunderte Vögel panisch vom Feld auffliegen. Ein imposantes Schauspiel.
Doch zurück zum eigentlichen Thema: Sonne! Endlich zeigt sich dieser glühende Ball am Himmel, den ich in den letzten Wochen kaum gesehen habe. Die Sonnenbrille kommt erstmals seit Langem zum Einsatz – ein kleiner Luxus.
Nach der ersten Fähre zurück aufs Festland lege ich einen kurzen Stopp an der Torpedobatterie Hambaara ein, die ich schon im letzten Jahr besucht habe. Ein spannender Ort: Eine kleine Halbinsel, auf der eine alte Gleisanlage liegt – vermutlich, um Torpedos zum Abschussplatz zu transportieren.
Die Gegend rund um Kristiansund wirkt modern und gepflegt – man merkt, dass hier Geld im Spiel ist. Hinter dem Gelände des Flughafens führt mein Weg zu einer weiteren Torpedoküstenbatterie. Ein deutscher Wohnmobilreisender warnt mich auf dem
Parkplatz vor: Der Weg sei schwer, mit Kletterpassagen, Abseilen und allem Drum und Dran. Er selbst habe es nicht bis zum Bunker geschafft. Ich trinke noch einen Schluck, zucke mit den Schultern und denke: So schlimm wird’s schon nicht sein.
Tatsächlich ist der Anmarsch alles andere als gemütlich. Es geht steil bergauf, über rutschige Steine, durch nasse Passagen – natürlich wieder mit nassen Schuhen. Doch am Ende erreiche ich die Anlage. Der Hauptbunker öffnet sich wie ein dunkler Schlund. Gleich hinterm Eingang: ein riesiges Schachtloch, rund zehn Meter tief und lang, mehrere Meter breit. Hier wurden wohl die Torpedos vom Landweg hinuntergelassen, bevor sie in die Lagerräume oder direkt zur Abschusseinrichtung weiterbefördert wurden. Einen anderen Sinn für dieses imposante Loch kann ich beim besten Willen nicht erkennen. An der Decke erkennt man noch heute die alten Schienensysteme, mit denen die Geschosse bewegt wurden. Die an der Seite des Loches befindliche Treppe ist nicht mehr durchgängig begehbar.
Ein anderer Eingang führt tief in den Berg, mit einem Weg, der direkt in den Fels gefräst wurde. Ohne Taschenlampe (die habe ich natürlich im Auto vergessen…) kämpfe ich mich mit dem Handylicht über die glitschigen Stufen. Immer tiefer geht es hinab, bis schließlich die Abschusshalle erreicht ist – ein gespenstischer Ort, mit Blick hinaus aufs Meer, wo einst die Torpedos ins Wasser glitten.
Es gäbe noch weitere Räume: Lagerhallen, mit Backstein ausgekleidete Kammern, Stahltüren, die heute rostig am Boden liegen. Auch ein Beobachtungsbunker ist noch erreichbar – allerdings nur über eine wacklige Holzleiter, der ich lieber nicht traue. Die Anlage nutzt die Landschaft perfekt zur Tarnung. Faszinierend und ein wenig unheimlich.
Nur wenige Kilometer weiter wartet bereits die nächste Küstenbatterie. Hier geht es etliche Meter eine steile Treppe hinunter. Auffällig ist, wie unfassbar akkurat die in den Fels gehauenen Treppen gefertigt wurden. Auch damals wurden diese schon nach Deutscher Industrienorm gebaut.
Die Stadt selbst wirkt freundlich und lebendig. Ein Kanal zieht sich mitten hindurch, an dem große Schiffe anlegen, während Holzhäuser die Hänge säumen.
Weiter geht es nach Süden. Links taucht in der Ferne ein schneebedeckter Berg auf, dessen Namen ich nicht herausfinden kann.
Kurz darauf folgt ein Höhepunkt der Strecke: die berühmte Atlantikstraße mit ihrer spektakulären Brücke, die scheinbar direkt in den Himmel führt. An Kränen hängen Fischernetze zum Trocknen.
Am Campingplatz wartet dann noch eine schöne Begegnung. Eine Deutsche mit ihrem 84-jährigen norwegischen Mann kommen zu mir ans Auto und wollen alles über das Dachzelt in dem ich liege wissen. Wir plaudern fast eine Stunde. Solche Momente sind es, die eine Reise besonders machen – kleine Geschichten am Wegesrand, die bleiben. Nebenbei wird der Jimny schon wieder fotografiert.
Habe ich eigentlich schon das schöne Wetter erwähnt?